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Der Europäische Sicherheits-Congress in Innsbruck (ESCI) - institutionalisierte Kriegswissenschaft!
Vom 9. bis 11. September 2005 trafen sich in Innsbruck dutzende Sicherheits- und Verteidigungsexperten, um über die zukünftigen und gegenwärtige Kriege zu diskutieren. Anwesend waren unter anderem Vertreter der NATO, "Spezialisten" des österreichischen Bundesheeres und der deutschen Bundeswehr, sowie Mitglieder des österreichischen Verteidigungsministeriums. Selbstverständlich dürfte unter den Referenten auch der Beauftragte für die militärpolitischen Aspekte während der österreichischen EU Ratspräsidentschaft nicht fehlen! Organisiert wurde der ESCI von der Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik unter der Leitung von Prof. Alexander Siedschlag, der unter anderem auch in einer Studiengruppe "NATO Research Fellow" tätig ist. Siedschlags Ziel ist es: Auch die Bevölkerung in den wissenschaftlichen Diskurs über Kriege einzubinden. Die Aussage des Rektors der Innsbrucker Universität Gantner hierzu kann durchaus als Drohung missverstanden werden: "Die Universität wird überwiegend von den Steuerzahlern finanziert und die sollen auch wissen, dass sie etwas davon haben." Öffentliche Unterstützung für Kriegstreiber Konkretes zur Sicherheitsprofessur: Geldgeber für den Lehrstuhl von Alexander Siedschlag ist das österreichische Bundesministerium für Landesverteidigung, unter der Führung von ÖVP Minister Platter. Die jährlichen Kosten belaufen sich hierbei auf 160.000,- Euro. Ein Schelm wer hierbei die "Freiheit der Universitätslehre" gefährdet sieht oder den Lehrstuhl als einen durch die ÖVP finanzierte Kriegswissenschaft bezeichnet. Dass dies jedoch der Wahrheit entspricht, beweißt Siedschlag selbst. Er meint: "Das Verteidigungs-, aber auch das Außen- oder auch Innenministerium sind sehr offen für politikwissenschaftliche Analysen." In Zeiten von bildungspolitischen Kahlschlägen und Streichung von Studiengängen müssen eben Prioritäten in der Universitätspolitik gesetzt werden. Von Seiten führender Köpfe innerhalb der Universität wurde der Congress massiv unterstützt. Ganz "unparteiisch" äußert sich beispielsweise auch der Rektor der Universität Innsbruck Gantner: Er spricht vom sich abzeichnenden "Clash der Kulturen" und lobt im gleichen Atemzug die "friedenssichernde Forschung" des ESCI. Auch die StudentInnen wurden über den ESCI informiert. Selbstverständlich bekamen die OrganisatorInnen die Möglichkeit alle Innsbrucker StudentInnen per Mail über das "Treffen der KriegsspezialistInnen" zu informieren. Natürlich ließ es sich auch die Tiroler Landesregierung nicht nehmen einen Empfang für die Brigadiere, Kommandanten und Spezialisten zu organisieren! Von selbst versteht sich, dass der ORF die Berichterstattung über den ESCI übernahm. Finanziert wird der Congress (Kosten 20.000,- Euro) unter anderem von der Eurofighter Hersteller Firma "EADS". Interessant ist hierbei der "herzzerreißende" Einwurf des Vizerektors Wieser, der sich vehement gegen Einflüsse der Wirtschaft in der Uni zur Wehr setzt und gleichzeitig kein Problem mit Rüstungsunternehmen als Sponsoren hat. Er meint: "Die Lehr- und Forschungsfreiheit muss gegeben sein." (Anmerkung: 160.000,- vom Verteidigungsministerium und 20.000,- von Rüstungsfirmen!) Dass die finanziellen Mittel auch "gut investiert" sind, beweißt die Übernahme der Übernachtungs- und Verpflegungskosten für alle Fortragenden in einem 4 Sterne Hotel. Und da die Herrn und Frauen KriegstreiberInnen sich kein Mittagessen leisten können, wird dies selbstverständlich von Tiroler Bäuerinnen organisiert und vom ESCI finanziert. Zusammenarbeit zwischen Universität und Bundesheer soll intensiviert werden Eines der Hauptziele Siedschlags ist die Zusammenarbeit zwischen Universität und Bundesheer (!!!) weiter zu vertiefen. Erwähnenswert erscheint ihm aber, dass er von einem umfassenden Sicherheitsbegriff ausgeht, der soziale und gesellschaftliche Sicherheit mit einbezieht. Jedoch bei näherer Betrachtung der KongressteilnehmerInnen (ak KriegstreiberInnen) und des Programms sind keine SpezialistInnen für gesellschaftliche Grundsicherung, Armutsbekämpfung oder ähnliches anwesend. Auch die Leitfragen behandeln nicht die von Siedschlag bezeichnete "umfassende Sicherheit" der Menschen. Dagegen wird die "Akzeptanz des gläsernen Menschen als notwendiges Übel" und die "Verteidigung der EU und Österreichs am Hindukusch" in Afghanistan diskutiert. Abschließend nur noch die Anmerkung, dass dieser Congress laut Siedschlag zu einer fixen Institution mit internationalen ReferentInnen werden soll und ab heuer jährlich stattfinden wird! Institutionalisierte Kriegswissenschaft eben! |