Arsenik

Formel:

As2O3. (80/145)

Andere Namen:

Arsen (III)-oxid. (80/145)

Allgemeines:

Im allgemeinen wurde das reine Arsen(III)-oxid konsumiert, aber auch der Verzehr von Auripigment oder Rauschgelb, einem in Druckereien verwendeten Produkt aus Arsenik und Schwefel (As2S3), ist bekannt. (80/145)

Die beschriebene Gewoehnung an das Gift ist jedoch nur bei oral augenommenem Arsen (III)-oxid zu beobachten. Das Einspritzen nur eines Bruchteils oder das Trinken einer leichtloeslichen Arsenverbindung fuehrt sofort zu heftiger Erkrankung bzw. Vergiftung auch dieser Personen. Das zeigt, dass es sich um eine sogenannte Resorptionsimmunitaet handeln muss, wobei die Darmwand das Arsenik nur schwer in den Koerper uebertreten laesst. (80/145)

In der Homoeopathie wird es in Mengen zwischen 0,5 und 5mg gegen Bleichsucht, Rachitis, Nervenschmerzen und nervoeses Asthma verabreicht. (80/145)

Geschichte:

850-923: Der grosse arab. Arzt Abu Bekr er (ar) Razi (Rhazes) empfahl es bei Blutarmut, Nerven- und Hautkrankheiten. (80/145)

Arsenik war im Mittelalter Mordgift Nr. 1 und wurde deshalb auch oftmals als "Erbschaftspulver" oder "Gift der Gifte" bezeichnet. Es hat in einigen Regionen auch als Stimulans gedient. Im Mittelalter verabreichten die mit Pferden handelnden Zigeuner ihren heruntergekommenen Gaeulen, die sie trotzdem absetzen wollten, vor dem Verkauf Arsenik. Dadurch erreichten sie fuer wenige Stunden einen feurigen Blick, glattes Haar und ein volleres Aussehen. Boese Zungen behaupten, dass sich auch alternde Frauen gelegentlich dieses Mittels bedient haben sollen, um den Auserwaehlten fuer sich zu gewinnen. Noch bis zum zweiten Weltkrieg gab es vor allem in Oesterreich Frauen, die zur Verbesserung ihres Teints und ihres Haarglanzes Arseniktoertchen assen. In der Steiermark, in Tirol und im Salzkammergut waren es vor allem viele Bergsteiger, Holzfaeller und Waldhueter, die in langsam steigenden Dosen Arsenik zu sich nahmen, um dem schweren Leben der Berge besser gewachsen zu sein. Nach laengerer Gewoehnung konnten diese "Arsenikesser" bis zu 0,4g, d.h. das Vierfache der normalerweise toedlichen Menge, zu sich nehmen. (80/144f.)

1875: Auf der Naturforscherversammlung wurde den staunenden Wissenschaftlern ein Holzknecht vogefuehrt, der ohne mit der Wimper zu zucken, diese 0,4g oeffentlich verspeiste. (80/145)

Auch in den USA gab es Ende des 19. Jhdts diese Unsitte. Die Arsenikesser waren als "dippers" bekannt. (80/145)


Bibliographie:

Das Quellenverzeichnis der Enzyklopaedie