
Bildquelle. Die Pilzart Psilocybe semilanceata.
Eine Nebenergebnis der Untersuchungen dieses halluzinogenen Pilzes wurde noch vom Leipziger Mykologen Jochen Gartz aufgedeckt, der folgende Information anfuehrte:
Beim Spitzkegeligen Kahlkopf enthielten kleinere Pilze fast immer mehr Alkaloide als groessere (bei einem Untersuchungsmaterial von 40 Pilzen), dass sich besonders in den Hueten der Pilze angesammelt hat. (#51/30)

Bildquelle. Verbreitungskarte der Pilzart in Deutschland.
Etwas spaeter, im Jahr 1958, gelang es dem Chemiker A. Hofmann und seinen Mitarbeitern, die Pilze chemisch zu untersuchen. Er entdeckte die halluzinogenen Tryptamine Psilocybin und Psilocin in den Pilzen und stellte fest, dass die Wirkung der Pilze, der Wirkung dieser Substanzen entsprach. Albert Hofmann gelang es auch die beiden halluzinogenen Tryptamine synthetisch herzustellen. Die Firma Sandoz vertrieb das Psilocybin als "Experimentalchemikalie" unter dem Namen Indocybin (reg. trademark) eine kurze Zeit lang. Bis in das Jahr 1963 herrschte die Ansicht, dass die Pilze auf Mexiko und Guatemala beschraenkt sind, doch in diesem Jahr wurden europaeische Pilze der verwandten Art Psilocybe semilanceata wiederum von A. Hofmann untersucht und er entdeckte wiederum das psychoaktive Psilocybin in den Pilzen. Hofmann bewies dadurch, dass es halluzinogene Pilze auch in Europa gibt, was sich in den nachfolgenden Jahren mehrfach bestaetigte. Spitzkegelige Kahlkoepfe wurden in einer grossen Zahl an Laendern in Europa entdeckt. (#11, 45, 62)
Heute weiss man, dass diese halluzinogene Art sehr haeufig ist. Psilocybe semilanceata ist sogar der psychotrope Pilz Europas hinsichtlich Verbreitung, Erforschung und Anwendung. Der in diesem Fachgebiet bekannte Pilzforscher Gaston Guzman schaetzte in seiner Monographie "The Genus Psilocybe" 1983 sogar ein, dass die Art die weltgroesste Verbreitung unter allen psychoaktiven Psilocyben hat. (#51) Pilze dieser Art werden seit der Entdeckung durch A. Hofmann im Jahr 1963 im steigenden Masse gesammelt und als Halluzinogen eingenommen, doch die Motivation der Konsumenten hat sich geaendert. Wurden die Pilze in Mexiko vor allem von Schamanen/Heilern fuer die Diagnose und Behandlung von Krankheiten nach einem jahrhundertealten Ritual eingenommen, so werden die Pilze heute vor allem als Freizeitunterhaltung durch die Pilzsammler eingenommen. Dieser "recreational use" hat sich vor allem nach der Pilzeinnahme von Timothy Leary in Mexiko, der den Gebrauch ebenso wie den Gebrauch von LSD multimedial befuerwortete und propagierte, weltweit verbreitet. Halluzinogene Pilze wurden durch R.G. Wasson, A. Hofmann, T. Leary, seine Kollegen und Medien global beruehmt und in Folge wurden an verschiedensten Plaetzen in der Welt alte und neue Arten entdeckt. Es entwickelte sich sogar ein regelrechter Pilztourismus in die bekanntesten Plaetzchen (v.a. Maria Sabinas Heimatdorf, aber auch: Kodaikanal in Suedindien, Pokhara in Nepal, Koh Samui in Thailand,...), aber auch das Sammeln der Pilze im Herbst ist sowohl in Europa als auch Amerika zu einer verbreiteten Freizeitbeschaeftigung geworden, obwohl der Konsum und das Sammeln Psilocybin-haltiger Arten eigentlich fast weltweit durch die single convention der UN (Einheitsuebereinkommen) verboten ist. Die Hauptwirkstoffe Psilocybin und Psilocin sind in diesem Gesetzeswerk erfasst und damit eindeutig verboten. Verfolgungen von Pilzsammlern durch die Polizei sind vor allem aus Thailand und Mexiko gemeldet worden, in Europa wird trotz des Verbots eigentlich nicht die Polizei eingeschaltet - und Polizisten in Europa die Pilzsammler in den Waeldern jagen sind noch Zukunftsmusik. Massgeblich fuer diese eher ungewoehnliche Zurueckhaltung war v.a. eine angemessene Berichterstattung in den Medien (v.a Radio!), die Panik und uebertriebene Massnahmen verhinderte. (eigen)
Als Umrechnungsfaktoren haben sich folgende Zahlen im Experiment ergeben: 3g raumfeuchte Pilze entsprechen=60 Pilzen=2,5g getrocknete Pilze; (eigen)

Bildquelle. 2 Pilze der Art Psilocybe semilanceata.
Folgend werden einige ausgewaehlte mykologische Beschreibungen aus der wissenschaftlichen Literatur angegeben:
J. Stevens gibt folgende Beschreibung an:
Der Hut ist 0,5-2cm breit. Der Stamm ist 7-11cm lang und 0,15-0,25cm dick. Der Hut ist glatt und kegelfoermig mit stark spitzfoermiger Woelbung, gelbgrau bis olivgruen, manchmal lichtdurchlaessig, mit strahlenfoermigen Linien, das Fleisch ist fest, trocknend bis strohfarben mit dunkelgruenlichem Ring am Rand. Der Stamm ist weiss oder rostigbraun mit weissen, pulvrigen Resten, leicht dicker werdend an der Basis.(#30)
Kell Volkbert beschreibt P.s. folgendermassen:
Der Hut ist 0,5-1,5cm breit, spitzkegelig mit deutlichem, knopfigem bis spitzem Buckel, am Rand leicht gefaltet, hygrophan, gelblichbraun bis leicht olivbraun, trocken ockerlederfarben, mit klebrigem Belag. Die Blaetter sind zunaechst lehmbraun, zuletzt dunkel rostbraun, aufsteigend angeheftet und dabei zustaetzlich etwas ausgebuchtet. Das Fleisch ist bleich bis cremefarben und geruchlos. Der Geschmack ist mild. Der Stiel ist weiss bis cremefarben und am Grunde blaeulich getoent. Die Sporen sind ellipsoid, glatt und dickwandig. Sie messen 12-16x6-8mcm. Der Sporenstaub ist dunkelbraun. Verwechselungen: Im Unterschied zu P.s. hat P. cyanescens flach-konvexe bis ausgebreitete, z.T. gebuckelte, aber nie kegelig-glockige Huete, die auch wesentlich groesser werden koennen (2-4cm). (#40)
Die Beschreibung von Fries fuer den A. semilanceatus Fries lautete:
Der Hut ist etwas haeutig, spitz kegelfoemig, fast zugespitzt, 1,5cm breit, 0,5cm hoch, feucht klebrig, fein streifig, gelb oder gruenlich, zaeh, mit Anfangs umgeknickten Rande und leicht trennbarer Oberhaut. Der Stiel ist zaeh, gebogen, 11cm hoch, kahl, blass. Die Lamellen sind angeheftet, aufsteigend und purpur-schwarz. Die Sporen sind elliptisch, hellbraun, 9-16mcm lang und 4-9mcm dick. (#51/14)
Michael und Schulz schrieben im Jahr 1927 folgende Beschreibung:
Der Hut ist bleibend kegelig-glockig, in der Mitte spitzlich oder stumpflich, fast warzenartig gebuckelt, anfangs oefter hoeher als breit, am Rand eingeknickt-umgebogen, spaeter 1,5-4cm breit, hygrophan, im feuchten Zustande schmutzigolivbraun, am Rande durscheinend gerieft, alsdann in der Mitte ockerfarben oder gruenlichgelb, weiterhin schmutzigblassgelb, oefter zum Teil gruenfleckig, nur noch am Rande mit einer dunklen, durchwaesserten Zone versehen, wenn ganz trocken, ungezont und ungestreift, kahl, schleierlos, mit einer lange schmierig-klebrig bleibenden, trocken glaenzenden, leicht abziehbaren Oberhaut bedeckt und duennfleischig. Die Blaetter sind olivbraun bis schwaerzlichpurpurbraun, an der Schneide lange weiss, ziemlich gedraengt, fast linear oder buchig, bis 3,5mm breit, am Stiel erst angewachsen oder angeheftet, spaeter frei. Die Sporen sind laenglich-elliptisch, gross, 12-16mcm lang, 6-8mcm breit und glatt. Der Sporenstaub ist schwaerzlichpurpurbraun. Der Stiel ist sehr schlank, fast gleichmaessig duenn, stets verbogen, 6-12cm lang, 1,25-2mm dick, gelblich oder weisslich, an Druckstellen blaeulichgruen, seidig-glatt, etwa in der Mitte wie durch Schleierreste gefasert, oben weiss bereift, saftig berindet, bruechig, von einem weissen, wolligen Markstrang durchzogen. Das Hutfleisch ist in trockenem Zustande blassgelblich. Das Stielfleisch ist besonders unten, ockerbraun. Es ist geruchlos und schmeckt mild. (#51/22)

Bildquelle. 1. Cheilozystide. 2. Basidie und Spore. 3. Hyphe der Hutdeckschicht mit Schnalle. 4. Sporen.
Ricken beschrieb im Jahre 1915 den Pilz
Der Hut ist braunoliv oder gruenlichgelb, zartgerieft, mit schmieriger, leicht abziehbarer Haut, kahl und nackt, auch ohne Spur eines Velums, bleibend-spitzkegelig, hoeher als breit 1,5/1,5-2, mit anfangs eingeknicktem Rande, fast haeutig. Der Stiel ist braeunlichblass, fast seidenglaenzend, faserig, fast gleichduenn 7-10/2, bisweilen aufwaerts fast verdickt, wellig-verbogen, knorpelig, markig-ausgefuellt oder innen weisswollig. Die Lamellen sind olivbraeunlich, schliesslich rotbraun mit weisser, gefranster Schneide, aufsteigend und angeheftet. Das Fleisch ist feucht gleichfarbig, trocken blass, mild und geruchlos. Die Sporen sind laenglich-elliptisch, 12-16/6-8mcm, glatt, 25-30/8-10mcm, Cyst. an Schneide spindelig-pfriemlich 20-25/4-5mcm. Eine durch den bleibend-schmalkegeligen, gruenlichen, schmierigen Hut auffallende und sehr bestimmte Art, stets mit aufsteigenden, fast linearen Lamellen. (#51/22)
Michaelis gab im Jahr 1977 folgende Beschreibung fuer den halluzinogenen Pilz an:
Der Hut ist gelbgruenlich bis braunoliv, oft blaugruen-fleckig, mit zartgeriefter, schmieriger, leicht abziehbarer Oberhaut; kahl ohne Velum, spitzkeglig mit mehr oder weniger scharf ausgepraegter spitzer Papille, hoeher als breit, sehr duennfleischig, 2cm breit und 2,5cm hoch (1,5/1,7cm oder 1,2/1,5cm) mit anfangs eingebogenem Rand. Der Stiel ist 8-10cm manchmal bis 15cm lang, schlank, 2-3mm dick, hellockerfarbig bis blassbraeunlich. Die Stielbasis ist haeufig blaugruen gefaerbt, faserig, etwas seidig-glaenzend, bisweilen aufwaerts verdickt, knorpelig-weissmarkig-wattig gefuellt. Der Stiel ist immer wellig-verbogen. Die Lamellen sind oliv-braun bis dunkelrotbraun mit weisser, flaumiger Schneide, gedraengt, aufsteigend, schmal, leicht bauchig-lanzettlich; bei kleinen Stuecken fast linear angeheftet. Das Fleisch im Hut ist blass-gelblich, im Stiel braeunlich werdend, ohne auffaelligen Geruch oder Geschmack. Die Sporen sind laenglich-elliptisch, erst grauviolett dann gelbbraun durchscheinend, glatt, mit Keimporus und messen 11-15x6,4-8mcm. Der Sporenstaub ist purpurbraun. Die Zystiden an der Blattschneide sind zahlreich, spindelig-pfriemlich, 22-27x6-8mcm. Die Basidien sind 4sporig und messen 25-35x8-10mcm. (#51/25)

Bildquelle. 2 Psilocybe semilanceata Pilze und ein Laengsschnitt durch den Hut.
Diese Gattung erscheint von August bis Oktober. (#30, #34, #40, #51) Diese Pilze erscheinen gewoehnlich als erste Pilzart im Nordwesten der USA. (#30)
Die Pilze wachsen auf Triften, (#51/22) an mit Gras gesaeumten Wegraendern, (#22, #30, #40, #51/14) auf Pferde-, Schaf- und Kuh- (#51) Weiden, (#30, 34, 51) auf gut geduengten Feldern, (#30, #34) Wiesen (#34, 40) und Rasen (#30) im hohen Gras. (#30, #34, #51) Oft sind sie regelrecht in den Grasbuescheln versteckt. Die Weiden sind oft von Baechen oder Mooren begrenzt, die den Boden stark durchnaessen. (#51) Die Pilze bevorzugen Plaetze, wo Mist gelegen hat, (#51/14) der gaenzlich verrottet ist. (#51/22) Die Pilze wachsen weder auf frischem Dung (Mist) noch dort, wo Kunstduenger zum Einsatz gelangte. Bei entsprechender Feuchtigkeit ist mit der groessten Pilzbildung zu rechnen, wenn wenige Wochen zuvor die Grasflaechen noch einmal mit Kuehen beweidet wurden. (#51) Ebenso moegen sie feuchten (#34, #51) und sauren Boden. Ausgesprochene Kuemmerformen koennen an Chausseeraendern im Gebirge gefunden werden. (#51) Sie sind nicht selten. Sie kommen gesellig vor. (#51/22) Mancherorts treten die Pilze haeufig (#34, #40) bis scharenweise auf. (#51/22)
Die Pilze kommen von den Meereskuesten bis ins Hochgebirge vor, eine Angabe aus 1720m stammt auch aus Deutschland. Die Fundhoehen in der ehem. CSFR reichen von 330-1000m, einmal 1400m, ohne dass eine bestimmte Hoehenlage bevorzugt erscheint. Hier sind 54 Aufsammlungen aus 44 Orten im Jahr 1986 bekannt. (#51) In Oesterreich im Bundesland Tirol in einigen hochgelegenen Taelern konnten die Pilze scharenweise in einer Hoehe von 1400-1700m beobachtet werden, doch eine mykologische Untersuchung steht immer noch aus. Tiefer gelegene Funde sind bis jetzt kaum berichtet worden - was vielleicht auch mit dem Einsatz von Fungiziden, kuenstlicher Duengung und Entwaesserung zusammenhaengt. (eigen)
Strophariaceae - Schuppenpilze/Traeuschlingsartige
Der Leipziger Mykologe Jochen Gartz fuehrt in seinem Buch "Narrenschwaemme. Psychotrope Pilze Europas." ein Selbstexperiment an:
"Nach der Aufnahme von nur 1,3g der getrockneten und gepulverten Pilze (30 Stk.) in Wasser setzte nach 20 Min. bei nuechternem Magen sehr ploetzlich und unerwartet unter starkem Traenenfluss die Psychose ein. Die Erscheinungen kann man am besten als eine Verknuepfung von Visionen und Gedanken bezeichnen- spaeter fand ich den Begriff der 'Imagination' in der Literatur. Aeusserst unangenehm wurde von mir nach der Art eines Tagtraumes ein Flug erlebt, bei dem mich an jedem Arm eine Hexe gepackt hatte. Wir flogen zu dritt irgendwann und irgendwo. Danach sahen alle umliegenden Gegenstaende wie ausgebleicht aus. Bei Augenschluss wurden abstrakte Ornamente ohne besondere Leuchtkraft oder emotionaler Wirkung gesehen. Waehrend dieser Zeit trat weitere Dysphorie, verknuepft mit schuldbewusstem Gruebeln auf. Nach 5h war die Wirkung ploetzlich vorueber, allmaehlich stellte sich leichter Kopfschmerz ein, weitere Folgen wurden nicht festgestellt."(#51/27)
Die Wirkung beginnt haeufig mit leichtem Traenenfluss nach etwa einer halben Stunde. Bei nuechternen Magen tritt die Wirkung frueher ein, meist nach etwa 20 Minuten. Es kommt dann zu den gleichen Symptomen, wie bei der Einnahme von LSD. Die Farben werden intensiver, die Proportionen verzerren sich, bis am Hoehepunkt einer vollen Dosis die optischen Verzerrungen so stark werden koennen, dass die ganze Umwelt sich in ein bewegendes Farbenmeer verwandelt. Das Anschwellen, wie auch die Hauptwirkung treten wellenfoermig auf, d.h. Phasen geringerer Berauschheit werden von Phasen starker Berauschung abgeloest. Die Wirkung laesst ebenso wieder wellenmaessig nach. (eigen)

Bildquelle. Querschnitt.
Die Wirkung der Pilze laesst uebrigens wellenfoermig nach, d.h. Phasen der Nuechternheit (oder geringerer Berauschung) loesen Phasen der Berauschung ab, die immer kuerzer und weniger intensiv werden. Dieser "phasige" Wirkverlauf ist typisch fuer die Wirkung von Halluzinogenen und tritt auch bei LSD auf.(eigen)
Der in Leipzig an der Universitaet taetige Mykologe (Pilzforscher) Jochen Gartz gibt folgende Eckpunkte fuer die Haltbarkeit der halluzinogenen Pilze an:
Temperaturen ueber 50 Grad Celsius bewirken den Beginn der Zersetzung des Psilocybins und seiner Derivate. Optimal fuer eine Aufbewahrung sind Temperaturen unter -10 Grad Celsius und eine trockene Lagerung. (#51/31)
Der Hauptwirkstoff Psilocybin ist koerperlich gesehen eine relativ ungiftige Verbindung und hat eine relativ grosse therapeutische Breite. Ernsthafte, koerperliche, Vergiftungen sind durch Einnahme der richtigen Pilze kaum zu erwarten, vor allem wenn realistische Dosen (bis 100 Stueck) eingenommen werden. (eigen)
Es muss auf jeden Fall beachtet werden, dass es nicht zur Verwechselung mit anderen, giftigen Pilzen kommt, die unter Umstaenden toedlich verlaufen kann. Man sammelt nur Pilze und nimmt sie ein - wenn man sich absolut sicher ist, was man da so zu sich nimmt! (eigen)
1803: Jochen Sowerby nimmt die Pilze in sein Buch "Coloured Figures of English Fungi or Mushrooms", erschienen in London, auf. Die Darstellung stellt sehr typisch P.s. dar, der in der zeitgenoessischen Beschreibung als Agaricus glutinosus Curtis auch voellig mit heutiger Kenntnis uebereinstimmend erscheint. (#51/21)
1818: Der beruehmte schwedische Mykologe E. Fries erwaehnt den Agaricus semilanceatus. Der gleiche Pilz wird spaeter auch Lanzenfoermiger Duengerling, Coprinarius semilanceatus Fries oder Panaeolus semilanceatus (Fries) Lge. genannt. (#51/21)
1870: Die Art wird von Kummer bzw. von Quelet in die Gattung Psilocybe eingeordnet. So findet man beide gueltigen Bezeichnungen in der Literatur: P.s. (Fries) Kummer oder P.s. (Fries) Quelet. (#51/21)
1900: M.C. Cooke nennt zwei oder drei Gelegenheiten, bei denen Kinder sich in England versehentlich mit der Pilzart vergifteten. (#51/21)
1915: Beschreibung des Pilzes durch Ricken A. (#51/22)
1927: Beschreibung des Pilzes durch Michael und Schulz. (#51/22)
1963: Nachweis von 0,25% Psilocybin in den Trockenpilzen aus Europa durch Furrer, Heim R. und Hofmann A. (#51/23) Damit wurde erstmalig bewiesen, dass es auch halluzinogene Pilze in Europa gibt. (eigen)
1967, 1969: Das halluzinogene Psilocybin wird auch in Pilzproben aus Schottland und England nachgewiesen. (#51/23)
1977: Michaelis weist Psilocybin in Extrakten aus Deutschland nach. (#51/23)
1977: Es erfolgte der erste Nachweis von Baeocystin, einen nahe verwandten und halluzinogenen Tryptamin, aus nordamerikanischen Pilzen durch Repke und Leslie. (#51/30)
ab 1979: In verschiedenen Laendern werden Untersuchungen auf Psilocybin mit HPLC (Hochdruck-Fluessigchromatographie) durchgefuehrt. (#51/23)
1983: Der bekannte Pilzforscher G. Guzman schaetzt, dass die Art der psychotrope Pilz Europas hinsichtlich Verbreitung, Erforschung und Anwendung ist. (#51/23) Er publiziert in diesem Jahr "The Genus Psilocybe", das Standardwerk ueber die Gattung Psilocybe (Kahlkoepfe) in der Nova Hedwigia. (eigen)
1986: Erstellung einer Verbreitungskarte der Pilzart in Deutschland und angrenzender Gebiete durch Krieglsteiner. (#51/13, #24)
1994: Die ersten Funde von Psilocybe semilanceata aus den Bergen Tirols, einem Bundesland Oesterreichs, werden gemeldet. In den folgenden Jahren kommt es zu einer Verbreitung des Konsums, doch es entstehen trotz der massenhaft in die Pilzgebiete stroemenden Menschen, keine Probleme, weder in medizinisch/psychiatrischer, noch mit den dort lebenden Menschen, die die Pilzsucher aus den Taelern freundlich empfangen. Das Fundgebiet mit den meisten Pilzen, das Sellraintal mit seinen Nebentaelern, ist uebrigens seit Jahrhunderten im Besitz der Roemisch-Katholischen Kirche, genauer des Stiftes Wilten, welches fuer die Besiedelung von Tirol, massgeblich war. Die besagten Wiesen wurden vom Bischof Reginbert von Brixen (Suedtirol, heute Italien!) an das Stift Wilten vermacht. Das Stift hat dann im Mittelalter eine Besiedlung dieses Hochtales durch Bauern veranlasst, denn vorher wurde das Gebiet nur von wandernden keltischen Schafzuechtern im Sommer aufgesucht, die auch ihre Spuren in Form einer Steinartefakte (vielleicht Kultstaetten) zurueckliessen. Mit der Besiedlung durch das Stift Wilten wurde dort eine spanische Gruppe von Einwanderern untergebracht, die sich mit den wenigen dort lebenden "Tirolern" vermischten und bis heute die Bevoelkerung in diesem Tal bilden. Diese Vermischung zeigt sich gut in ethymologischer Hinsicht beim Namen Ruetz, der sich aus dem spanischen Ruiz entwickelte. Die Wiesen werden seitdem vom Stift an diese Bauern und deren Nachkommen verpachtet. Eine genauere Untersuchung der Gegend hat uebrigens keine Hinweise auf einen frueher hier herrschenden Pilzkult gebracht, sehr wohl aber wurden keltische Steinkavernen entdeckt, die in ihrem Stil an die monolithischen Bauwerke von Stonedhenge erinnern, auch wenn sie um ein Stueck kleiner sind und vermutlich der Unterbringung der Schaefer bei Schlechtwetter gedient haben. (eigen)
Abbildung 2: Zeichner: Nach KRIEGLSTEINER; In: GARTZ Jochen: "Narrenschwaemme. Psychotrope Pilze in Europa.", S. 13, Editions Heuwinkel, Carouge/Genf, Neuallschwil/Basel, 1993.
Abbildung 3: Zeichner: ???; In: RIPPCHEN Ronald (Hg.): "Zauberpilze.", S. 205, Der Gruene Zweig 155, Die gruene Kraft, Loehrbach.
Abbildung 4: Zeichner: ???; In: BRESINSKY Andreas, BESL Helmut: "Giftpilze: mit e. Einf. in d. Pilzbestimmung; e. Handbuch fuer Apotheker, Aerzte u. Biologen.", S. 116, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1985.
Abbildung 5: Zeichner: ???; In: RIPPCHEN Ronald (Hg.): "Zauberpilze.", S. 202, Der Gruene Zweig 155, Die gruene Kraft, Loehrbach.
Abbildung 5: RÄTSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Götter.", AT Verlag, S. 198, Aarau, 1998.
Abbildung 2: Zeichner: ???; In: BRESINSKY Andreas, BESL Helmut: "Giftpilze: mit e. Einf. in d. Pilzbestimmung; e. Handbuch fuer Apotheker, Aerzte u. Biologen.", S. 116 unten, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1985.
Verweise auf S/W-Bilder:
Abbildung 1: Zeichner: ???; In: BRESINSKY Andreas, BESL Helmut: "Giftpilze: mit e. Einf. in d. Pilzbestimmung; e. Handbuch fuer Apotheker, Aerzte u. Biologen.", S. 116 oben, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1985.
Farbbildverweise:
Abbildung 1: Zeichner: ???; In: BRESINSKY Andreas, BESL Helmut: "Giftpilze: mit e. Einf. in d. Pilzbestimmung; e. Handbuch fuer Apotheker, Aerzte u. Biologen.", S. 115, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1985.