Papaver somniferum Linnaeus ssp. somniferum

Pflanzenbild Bildquelle. Schlafmohn.

Andere Namen:

P. selvaticum, Nepenthes, Mithridat, Mekon rhoias, (#52) Rauchopium=Tschandu, (#17) chandu (Rauchopium, Hindi), (#53/114, #80/88) Schlafmohn, (#52, #80/88) afim (Rohopium, Hindi), O (Abkurzung fuer Opium), (eigen) Theriak (Opiumhaeltiges Getraenk), (#52/32f.) "opos" (griech., "Saft"). (#80/88) Schlafmohn, Gartenmohn, Opium. (#144) Opium Poppy (engl.), Garden Poppy (engl.), Marble-flower (engl.). (#146) Mithridat=Opiumhaeltiges Schlangenmittel. (#53)

Inhaltsstoffe:

Der Alkaloidgehalt betraegt 0,1-0,4% im Kraut, 0,1-0,4% in der Wurzel, 0,2-1% in der Fruchtkapsel und 0,005-0,04% in den Samen. Die enthaltenen Alkaloide sind Morphin, (#17, #53/245) Codein, Thebain, Oripavin, Papaverin, Narcotin und Narcotolin. (#17)

Im Opium sind 2-26% Morphin, (#12) Narkotin, Codein, Morphin, Papaverin, Narcein, Thebain u.a. enthalten. Tuerkisches Opium enthaelt bis zu 10-12% Morphin. (#2) Opium kann bis zu 12% Morphin enthalten. (#53/245)

Opium enthaelt bis zu 30% eines Gemisches aus ueber 20 Alkaloiden. Es kommen Benzylisochinolinalkaloide und Phenanthrenalkaloide vor. Zu letzterem gehoeren das schmerzstillende, aber suchterregende Morphin (11-17%), das hustenstillende Codein (0,5-3,5%) und das Krampfgift Thebain (0,1-6%). Von den Isochinolinen seien als wichtige Beispiele das medizinisch genutzte krampfloesende Papaverin sowie die Alkaloide Narcotin und Narcein genannt. (#80/88f.)

Die im Opium enthaltenen Alkaloide liegen teilweise als Mekonate (Salze der Mekonsaeure), die zu 3-5% im Opium enthalten ist, oder als Lactate vor. Weitere Inhaltsstoffe sind Kautschuk, Harze, Fette und Schleimstoffe. (#103/437)

Pflanzl. Fam.:

Papaveraceae - Mohngewaechse

Vorkommen:

Die Pflanze kommt in allen gemaessigten und warmen Gegenden der Welt vor. (#80/88)

Vor allem im "Goldenen Dreieck" und im "Goldenen Halbmond" (Tuerkei, Afghanistan, Pakistan, Iran) sowie im Libanon und in Mexiko. (#53/245)

Anbaulaender sind heute die suedosteuropaeischen Staaten, die Tuerkei, der Iran und andere Staaten des Vorderen Orients. Grosse Anbaugebiete existieren auch in Indien, Pakistan und China. (#80/88)

Die Heimat des Opiums ist Westasien. Mittlerweile wird die Droge weltweit gezuechtet. (#144)

Sucht:

Beim Absetzen der Dosis nach einem langen, chronischen Konsum treten die typischen Entzugsymptome auf, wie sie bei anderen Opioiden ebenso auftreten. (#2, #53)

An dieser Stelle soll vor allem auf die Beschreibungen von Morphin, Codein, Methadon aber auch dem halbsynthetischen Heroin verwiesen werden, denn diese Substanzen erzeugen sehr wohl im groben die gleiche Form der Abhaengigkeit. In diesen Kapiteln kann dann die entsprechende Information entnommen werden. (eigen)

Aussehen:

Im Gegensatz zu dem auf Feldern wachsenden Klatschmohn, wird man dem Schlafmohn hier nicht begegnen, da sein Anbau streng genehmigungspflichtig ist und die ganze Pflanze unter das Betaeubungsmittelgesetz faellt. Die Blueten dieser bis zu 1,5 m hoch wachsenden, einjaehrigen, krautigen Pflanze sind gross und weiss bis violett gefaerbt. Alle Pflanzenteile bis auf die in einer Kapsel reifenden, oelreichen Samen sind giftig. (#144)

Geschichte:

ca. 3000 v. Chr.: Die ersten Zeugnisse ueber seine Anwendung stammen von den Sumerern.(#17)

ca. 1550 v. Chr.: Im Ebers-Papyrus ist die aelteste, erhaltene Aufzeichnung (Aegypten) mit Angaben zur Anwendung von Opium erhalten worden. (#17, #53/160)

ca. 1400 v Chr.: Eine minoische Goettin, deren Statue bei Heraklion gefunden wurde, traegt auf dem Kopf einen Kranz aus Schlafmohnkapseln. Ihr Gesicht wahrscheinlich um 1400 v.Chr. von einer unbekannten Kuenstlerin erschaffen, hat einen ekstatischen Ausdruck. (#52/33)

Schon auf den aeltesten babylonischen Tonzylindern finden wir Mohnkapseln als Attribute des Goettlichen. (#52/33)

Die Mohnkapsel war Symbol des Sohnes des Schlafgottes Morpheos. Man kannte auch die giftigen Wirkungen, denn der Mohn war ebenso mit dem Todesgott Thontos und der Goettin der Nacht Nys verbunden. (#80/89)

8. Jhdt. v. Chr.: Homer beschreibt in seiner "Odysee" mehrfach den Kummer und Leid vergessen machenden Trank Nepenthes, bei dem es sich um ein opiumhaltiges Getraenk gehandelt haben soll. (#80/89)

327-287 v. Chr.: Theophrast von Eresos verwandte Opium speziell als Schmerzmittel und Antidiaarhoeikum. (#80/89)

2 Jdht. v. Chr.: Der Koenig Mithridates VI. Eupantor Dionysos von Pontus hatte nicht nur den Roemern an der noerdlichen Schwarzmeerkueste erbitterten Widerstand geleistet, sondern sich durch medizinische Experimente mehr als eine Fussnote in der Geschichte gesichert: Auf der Suche nach einem Gegengift, vor allem gegen Schlangenbisse, mixte er ein halbes Hundert Indegrenzien zusammen. Er probierte dieses Gebraeu an den Staatsgaesten und seinem Freundeskreis aus, der sich schlagartig verkleinerte. Ein Fuenftel des Mithridats bestand aus dem Milchsaft der Koepfe des P. s., zu deutsch Schlafmohn. (#52/33)

Das Mithridat fiel dem roemischen Feldherrn Pompejus in die Haende, der es in seine Feldapotheke einverleibte. (#52/34)

Spaetere Militaeraerzte differenzierten zwischen Mithridat und Mekon rhoias, (von Mekone, dass das erste Mohnanbaugebiet Griechenlands war) das zum Teil aus Gartenmohn hergestellt wurde. Mekonit, der Presssaft der Koepfe und der Blaetter, sei weniger stark als das durch Anritzen gewonnene Opium, Dakryon (Traene) genannt. (#52/34)

Der roemische Kaiser Titus stark an einer Ueberdosis. (#52/34)

66 n. Chr.(Sterbejahr): Gaius Petronius schrieb in seinem "Gastmahl des Trimalchio":

Und er stopfte sich voll mit den suessen Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheissen." (#80/90)

1. Jdht.: Der Arzt Andromachus der Aeltere, Leibarzt des Kaisers Nero, verordnete diesem Theriak, der unter anderem Opium als wirksamen Bestandteil enthaelt. (#68/98, #80/90f.)

129-199 n. Chr.: Der roemische Arzt Claudius Galenus nutzte Opium gegen Schmerzen und Durchfaelle. (#80/90)

Diokletian setzt Hoechstpreise fuer Drogen fest: Haschisch 80 Denare, Opium 150 Denare.(#52/34)

In Griechenland war die Opiumbereitung ebenfalls bereits vor Beginn der neuen Zeitrechnung bekannt. (#17) "Opium thebaicum" - (das griech. Theben war ebenfalls ein wichtiges Anbaugebiet fuer Mohn.) (#52/35)

Den Aufzeichnungen Galenos aus Pergamon verdanken wir die erste Krankengeschichte eines Opiumabhaengigen in der Antike. Es war dies der roemische Kaiser Marc Aurel. (#52/32)

Eine weitere Ausbreitung der Opiumbereitung ereignete sich durch die Kriegszuege der Araber im 8. Jahrhundert in die Alte Welt und im 17. Jahrhundert nach Persien, Indien und China. (#17)

1. Jht.: Der Mohn wird in China heimisch. (#80/91)

13. Jhdt.: Der Opiumgebrauch wird in China zu einem gesellschaftlichen Problem. (#80/91)

1493-1541: Paracelsus empfahl Opiumtropfen als Laudanum "das Lobenswerte" vor allem dort, "wo es zum Tode reichen will".(#80/90)

1520-1590: Jakob Theodor aus Bergzabern (Tabernaemontanus) sah im Opium das allerletzte Mittel bei einem unueberwindlichen Schmerz. (#80/91)

17. Jhdt.: Nachdem Opium zunaechst wie ueberall gegessen oder als Laudanumtinktur getrunken wurde, kam die Sucht des Opiumrauchens auf, das fuer China bis in unser Jahrhundert charakteristisch bliebe und ritualhaft praktiziert wurde. (#80/91)

1729: Der Opiumgenuss wurde in China verboten. (#69/91)

1762-1836: Die Bezeichnung "Opiumsucht" wurde von Christoph Wilhelm Hufeland eingefuehrt. (#80/91)

1803: Der Franzose Louis-Charles Derosne isolierte erstmals ein "Opiumsalz", das nach heutiger Ansicht ein Gemisch aus Narcotin und Morphin war. (#80/91)

1804: Der napoleonische Armeechemiker Armand Seguin hielt vor der Academie des Sciences einen Vortrag, in dem er ueber von ihm isolierte (vermutlich noch unreine) Kristalle berichtete. Die exakten Ergebnisse publizierte er jedoch erst 1814.(#80/91)

1806: In der Zwischenzeit hatte der dt. Apotheker Friedrich Wilhelm Sertuerner seine Arbeiten zur Abtrennung des Morphins, dessen hypnotische Wirkungen er erkannte, bereits veroeffentlicht. Er gilt heute allgemein als Entdecker. (#80/91)

1823: Der Arzt Edme Samuel Castaign vergiftete die Brueder Ballet mit Morphin, um in den Besitz ihres Vermoegens zu kommen. Er wurde ueberfuehrt und 1823 in Paris enthauptet. (80/92)

1827: Die dt. Firma Merck begann mit der industriellen Produktion von Morphin. (#80/92) Eine andere Quelle behauptet, dass dies im Jahr 1828 geschehen ist. (#69/94)

1839-1842: I. Opiumkrieg: Zu Beginn des 19. Jdhts. betrieb die brit. East India Company einen schwunghaften Handel mit Opium mit China. Die verheerenden Folgen veranlassten die chin. Regierung schliesslich zu entschiedenen Gegenmassnahmen. Als der kaiserliche Komissar Lin Dsoe-hsue im Juni 39 ueber 20.000 Kisten brit. Opium vernichten liess, reagierten die Briten mit einer Blockade von Guangdschou und der Ausdehnung der Kriegshandlungen auf Suedost- und Ostchina. Nach dem brit. Sieg und dem Frieden von Nanking am 29. August 1842 kamm es zur Oeffnung mehrerer Haefen und zur Abtretung Hongkongs. Der Opiumhandel nahm rasant zu. (80/94)

1840-1842: Kotschenreuther datiert den I. Opiumkrieg mit dieser Jahreszahl. (#69/91)

1856: 2. Opiumkrieg: Der Krieg endete mit der brit-frz. Besetzung Pekings und dem Abschluss der Pekinger Vertraege, in denen China einen Grossteil seiner souveraenen Rechte einbuesste. (80/94)

1861-1865: Waehrend des amerik. Sezessionskriegen wurden viele Verwundete morphinsuechtig. (#80/92)

1872: Auch waehrend des Dt.-Frz. Krieges beobachtete man bei Verwundeten, denen man das Morphin zur Selbstinjektion ueberlassen hatte, dass sie abhaengig wurden. (#80/92) Kotschenreuther fuehrt an, dass der Krieg von 1870-71 gefuehrt wurde und er fuehrt weiters an, dass die Opiumsucht durch diesen Krieg eine grosse Ausbreitung gefunden hatte. (#69/95)

1874: Die Selbstinjektion und die relativ freie Morphinabgabe an Patienten wurde von dem Mediziner Carl Ludwig Alfred Fiedler scharf angegriffen. (#80/92)

1875: Der Arzt Eduard Levinstein kritisierte ebenso scharf. (#80/92)

n. 1875: Trotzdem breitete sich der Morphingebrauch aus. Die Damen der sogenannten besseren Gesellschaft kamen zu "Injektionskraenzchen" zusammen. Alexander Dumas d. J. (1824-1895) nannte das Morphin daher auch den Absinth der Frauen. (#80/92)

1875-1900: Der Hoehepunkt der Welle des Morphingebrauchs war in dieser Zeit, dann rueckten Heroin und Cocain mehr in den Mittelpunkt.(#80/92)

19 Jhdt.: mekonion= griech. "Mohnsaft" war die Bezeichnung fuer qualitativ schlechteres, durch Zerstampfen der Mohnpflanzen gewonnenes Opium im Gegensatz zu Laudanum. Eine weitere Ableitung von diesem Wort ist Mekonsaeure, fuer eine zu 3-5% im Opium enthaltene, zweibasige Saeure, als deren Salze (Meconate) die Opiumalkaloide teilweise vorliegen. (#53/221)

Besonder vertreten war die Sucht bei Vertretern der Romantik und des Surrealismus. Genannt seien nur Novalis in Dtld., S.T. Coleridge und J. Keats in Grossbritannien, sowie C. Baudelaire und T. Gautier in Frankreich.(80/92)

Thomas de Quincey veroeffentlichte "Confessions of an Opium Eater", eine Autobiographie. In diesem Werk beschrieb er, wie er 1804 durch Nervenschmerzen in Gesicht und Kopf geplagt, die Droge entdeckte und abhaengig wurde. Er nahm 55 Jahre lang Opium zu sich. (#80/93)

In den "goldenen Zwanzigern" erlebten Opium und Morphin jedoch nochmals ein "Come back".(#80/92)

Jean Cocteau beschreibt seine eigene Abhaengigkeit. (#80/92)

Klaus Mann beschrieb seine eigene Abhaengigkeit. (#80/92)

1925: Morphin wird seit diesem Jahr synthetisch erzeugt. (#69/95)

1936: Der iranische Dichter Hedayat schilderte in seinem Roman "Die blinde Eule" Opium-Erfahrungen. (#69/94)

1940: Walter Benjamin starb an einer Morphinueberdosis. (#80/92)

Pflanzenbild Bildquelle. Schlafmohn.

1947: Hans Fallada starb an einer Morphinueberdosis. (#80/92)

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Durchlaessigkeit der oestlichen Grenzen drangen auf den westeuropaeischen Drogenmarkt Opiumzubereitungen vor, die in Kriminalisten- und Junkiekreisen als "Polnische Suppe" oder "Polski Kompott" bekannt sind. Gewonnen wird das braune, klebrige Konzentrat aus in Polen selbst angebauten und in Hinterhoflaboratorien aufgearbeiteten Mohnsorten. Abgefuellt in Colaflaschen oder aufgesaugt in Putzwolle, wir es ueber die Grenze gebracht und 1:3 mit destilliertem Wasser verduennt als Rauschgift gehandelt. (#80/94)

1974: Die tuerkische Regierung hob in diesem Jahr das Opiumanbauverbot wieder auf. (#69/103)

Allgemeines:

Aus der Schlafmohnpflanze wird Opium gewonnen; (#2, #80/88) Die Pflanze wird seit alters gezuechtet und ist ein Kultigen, wie man dies mit dem Fachwort nennt. Sie ist uebrigens die einzige von 600 Mohnarten, welche die psychoaktiven Alkaloide produziert. Im Gegensatz zu den Klatschmohnarten, die zwar auch Alkaloide enthalten, aber nicht das schmerzstillende und hypnotische Morphin, oder das hustenstillende Codein, welches an anderer Stelle abgehandelt werden in diesem Werk genauer abgehandelt werden. (#69/89)

Opium und aehnliche Bereitungen werden seit alters her als Medizin und Rauschdroge eingenommen wird. Ebenso lange schon wie der Konsum von Opium und Schlafmohnbereitungen bekannt ist, gibt es auch die Opiumsucht. (#69)

Opiumrauchen und -essen sind uebrigens Konsumformen, wie wir sie vor allem in den Ursprungslaendern finden. (#2)

Medizinisch kann Opium als Schmerzmittel und gegen Durchfall eingenommen werden. Heutzutage werden im allgemeinen, gerade bei bestimmten Durchfallarten, eher andere Praeparate eingenommen, z.Bsp. Imodium, oder auch durch die Ernaherung verhindert;

Die Samen des Mohnes, die nicht psychoaktiv sind, vermutlich wegen ihrer Verarbeitung, (Quelle) werden auch als Nahrungsquelle genutzt. Ein Beispiel ist der Mohnstrudel.

Zur Gewinnung von Opium werden die gruenen Mohnkapseln etwa 8-14 Tage nach dem Abfallen der Bluetenblaetter in den Abendstunden mit dreischneidigen Messern angeritzt. Der ausgetretene, erhaertete, braungefaerbte Milchsaft wird am naechsten Tage abgekratzt und gesammelt. Die Ausbeute pro Kapsel betraegt 20-50 mg. Das Rohopium wird zu Klumpen von 0,3-2,0 kg Gewicht zusammengeknetet (Opiumbrote). Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 3-7 kg/ha. Nach dem Suchtmittelabkommen von 1961 sind folgende Laender zum Mohnanbau zur Opiumgewinnung fuer arzneiliche Zwecke berechtigt: Indien, Tuerkei, Jugoslawien und die UdSSR. Hauptproduzenten sind Indien (~70%), die Tuerkei (15%) und die UdSSR (10%). Die Weltopiumproduktion betraegt jaehrlich 2000t. (#17)

Opium kann in Rajasthan und Uttar Pradesh, indischen Bundesstaaten, legal in sogenannten government shops erworben werden. (eigen)

Alle anderen Vertreter der rund 6000 Papaver-Arten liefern kein Opium. Die Pflanze ist einjaehrig. (80/88)

Beim Opiumrauchen wird das Material in Form kleiner Kuegelchen meist ueber eine Wasserpfeife ohne Zusatz von Tabak geraucht. (#2)

Opium wird durch Anritzen der unreifen Kapseln gewonnen und an der Luft getrocknet. Es ist der eingetrocknete Milchsaft der P.s. Opium wird in Kugel- oder Brotform gehandelt. In den Ursprungslaendern wird es vor allem nach entsprechender Aufbereitung geraucht. (#53/245)

Aus Opium wird mittels Extraktion Morphin und Codein gewonnen. Aus Morphin wird wiederum Heroin synthetisiert. (eigen)

Der reife Mohnsamen enthaelt vor allem fettes Oel und nur Spuren von Alkaloiden und wird zur Herstellung von Backwaren verwendet. Mohnsamen zur Herstellung von Gebaeck. Das aus den Mohnsamen hergestellte Oel wird vor allem industriell genutzt. Opium in Form von Opiumtinktur und -extrakt. (#144)

Pflanzenbild Bildquelle. Kapseln des Schlafmohns, aus deren milchigen Saft durch Eintrocknung und Fermentierung Opium gewonnen wird.

Handelsformen:

1. Rohopium (afim (Hindi)):

Zur Gewinnung des Opiums werden die walnussgrossen, noch gruenen Mohnkapseln mit einem scharfen Messer angeritzt. Dort, wo Milchroehrchen verletzt wurden, tritt der zunaechst weisse Latex aus und wird in noch klebriger Form als Rohopium abgeschabt. Beim Eintrocknen tritt durch enzymatische Prozesse ein Braunfaerbung ein. Pro Kapsel gewinnt man maximal 50mg; 20.000 Mohnkapseln werden also fuer 1 kg Opium benoetigt. Das entspricht der Ernte von ca. 4000 m2.

Aus diesem Rohopium gewinnt man "Chandu", das knetbare Rauchopium. Das Rohopium wird zu diesem Zweck erhitzt, durchgeknetet und sehr vorsichtig geroestet. Der Roestkuchen wird mit Wasser extrahiert, das Filtrat eingeengt und in speziellen Tonkruegen unter Einwirkung des Pilzes Aspergillus niger mehrere Monate fermentiert. Durch diesen Prozess wird der psychoaktiv wirksame Hauptbestandteil, das Morphin (frueher auch Morphium genannt), angereichert. (#80/88)

Zur Gewinnung von Opium werden die gruenen Mohnkapseln etwa 8-14 Tage nach dem Abfallen der Bluetenblaetter in den Abendstunden mit dreischneidigen Messern angeritzt. Der ausgetretene, erhaertete, braungefaerbte Milchsaft wird am naechsten Tage abgekratzt und gesammelt. Die Ausbeute pro Kapsel betraegt 20-50 mg. Das Rohopium wird zu Klumpen von 0,3-2,0 kg Gewicht zusammengeknetet (Opiumbrote). (#17)

Opiumbase = Rohopium, eingedickter Saft angeritzter unreifer Schlafmohnkapseln.

Opiumbrot = zu brotaehnlichen Klumpfen zusammengeknetetes dunkelbraunes Rohopium vonlehmartiger Konsistenz und mit typischen Mohngeruch. Das Gewicht schwankt zwischen 0,3-3kg. Es ist eine haeufige Handelsform in asiatischen Anbaugebieten. (#53/245)

2. Rauchopium (chandu (Hindi)):

Mit Hilfe von Aspergillus niger, einem Pilz, wird unter dessen Einwirkung aus dem eingedickten, sirupartigen Roestextrakt des Rohopiums das Rauchopium ("Chandu") erzeugt. Dies ist ein Fermentationsprozess. (#53/114)

Aus Rohopium durch Erhitzen, Kneten und vorsichtigem Roesten, nachfolgender Wasserextraktion und mehrmonatiger Fermentierung des Extraktes in Tontoepfen unter Mitwirkung des Schimmelpilzes Aspergillus niger entstehendes plastisches aromatisches Produkt, als Chandu bezeichnet. Es wird zu Pillen geformt in speziellen Pfeifen geraucht.(#53/268)

3. Mekonium:

Mekonium ist der gepresste Saft aus den Kapseln; (eigen)

4. Mithridat:

Der Koenig Mithridates VI. Eupantor Dionysos von Pontus hatte nicht nur den Roemern an der noerdlichen Schwarzmeerkueste erbitterten Widerstand geleistet, sondern sich durch medizinische Experimente mehr als eine Fussnote in der Geschichte gesichert: Auf der Suche nach einem Gegengift, vor allem gegen Schlangenbisse, mixte er ein halbes Hundert Indegrenzien zusammen. Er probierte dieses Gebraeu an den Staatsgaesten und seinem Freundeskreis aus, der sich schlagartig verkleinerte. Ein Fuenftel des Mithridats bestand aus dem Milchsaft der Koepfe des P. s., zu deutsch Schlafmohn. (#52/33)

5. Theriak:

Dieses vermeintliche Allheilmittelchen wurde schon zu Neros Zeiten vom Leibarzt des Diktators verschrieben. (#69/91)

6. Laudanum:

Auch Paracelsus, ein grosser Arzt des Mittelalters, bereitete ebenso eine spezifische Opiummischung in Getraenkform, die er mit einem speziellen Reim bedachte:

"Ich hab ein Arkanum, heiss ich Laudanum, ist ueber alles, wo es zum Tode weichen will." (#68/91, Chris) Offensichtlich gebrauchte auch schon Paracelsus das schmerzstillende und euphorische Mittel zur Sterbeerleichterung. Der Satz weist meines Erachtens sicherlich auch auf eine Anwendung zum Selbstmord hin.

Auch Paracelsus schien opiumsuechtig gewesen zu sein, wie Kotschenreuther behauptet, indem er auf Indizien verwies. (#69/81)

7. Pantopon:

Pantopon ist ein H2O-loesliches, injezierbares Opium-Vollpraeparat. 50 von 100 Morphin enthaltend, pro Ampulle (1ml) 20mg Pantopon, zahlreiche Suchtfaelle (#12/65)

8. Opiumtee

Durch Aufkochen getrockneter Mohnkapseln zubereiteter Tee, den Heroinabhaengige als Ersatzdroge trinken. Durchschnittlich reichen 10 Kapseln fuer eine Teedosis mit einem Gehalt von 15mg Morphin-Base. Aufgrund des Missbrauchs duerfen Mohnkapseln in Deutschland nur noch nach chemisch erfolgter Extraktion als Floristik-Ware in den Handel kommen. Ansonsten unterliegen sie, analog Mohnstroh in Deutschland dem dt. BtMG. (Betaeubungsmittelgesetz). (#53/245)

Pflanzenbild Bildquelle. Die Pflanze.

Wirkungen:

Die Wirkung des Opiums wird vorwiegend durch seinen Hauptinhaltsstoff Morphin bestimmt. (#12)

Der Rauchopiumrausch ist gekennzeichnet durch erotische bzw. laszive Traeume, ansonsten kommt es zu einem traumreichen Tiefschlaf. Die mit dem Rauch uebergehende Menge Morphin reicht zur Erzielung einer solchen Wirkung nicht aus. Vermutet wird eine Wirkung des hypnotischen Mekonin. (#53/268)

Rauchen: starke Sedierung, traumaehnliche Zustaende, Betaeubung, wohl auch Halluzinationen; beim Absetzen: Abstinenzerscheinungen mit Erbrechen, Durchfall und Opiumhunger; Abhaengigkeit vom Morphintyp; (#2)

Essen: Beruhigung bis zum Schlaf, Hochgefuehl, allgemeine Reizabschirmung, bei chronischen Konsum Gleichgueltigkeit, Abmagerung; Abhaengigkeit vom Morphintyp; starke Verstopfung, die quaelend werden kann. (#2)

Opiumrauchen und -essen sind Konsumformen, wie wir sie vor allem in den Ursprungslaendern finden. (#2)

Der Schlafmohn enthaelt als Hauptalkaloide Morphin und Codein, die als Reinsubstanzen in der Medizin vor allem in der Schmerztherapie eine grosse Bedeutung haben. Codein dient wegen seiner daempfenden Wirkung auf das Hustenzentrum auch zur Behandlung des trockenen Reizhustens. Wegen der suchterzeugenden Wirkung dieser Substanzen sind Anbau und Verwertung der Pflanze und ihrer Inhaltsstoffe durch das Betaeubungsmittelgesetz streng kontrolliert. (#144)

Aus dem Milchsaft der unreifen Kapsel wird das Opium hergestellt, das in Form einer eingestellten Tinktur zur Behandlung schwerer Durchfaelle eingesetzt wird. (#144)

Warnhinweise:

Die ganze Pflanze und ihre Zubereitungen fallen unter das Betaeubungsmittelgesetz.(#144)

Vergiftung:
Eine Vergiftung ist zunaechst gekennzeichnet durch Erbrechen, Schwindel, Benommenheit, Verlangsamung der Atmung und des Pulses, Schweissausbruch und starkes Hautjucken. Durch spastische Laehmung des Blasensphinkters und der Darmmuskulatur kommt es zu Stuhl- und Harnverhalt. Der Tod tritt schliesslich durch Atemlaehmung ein. (#144)


Bildquellen:

Abbildung 1: Zeichner: Unbekannt; Quelle: Internet;

Abbildung 2: Zeichner: KOTSCHENREUTHER Hellmut: "Das Reich der Drogen und Gifte", S. 16, Ullstein Buch Nr. 3514, Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Wien, 1978.

Abbildung 3: Zeichner: KOTSCHENREUTHER Hellmut: "Das Reich der Drogen und Gifte.", S. 111, Ullstein Buch Nr. 3514, Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Wien, 1978.

Abbildung 4: Zeichner/in: unbekannt; Quelle: Britton & Brown Illustrated Flora - 2nd Edition (1913) "An Illustrated Flora of the Northern United States and Canada";


Bibliographie:

Das Quellenverzeichnis der Enzyklopaedie