
Bildquelle. Bluete.

Bildquelle. Nach Jacob Theodor Tabernaemontanus.
Die Pflanze braucht Drainage. Sie benoetigt nur gelegentlich Wasser, dafuer aber volle Sonne. Die Saemlinge jedoch muessen von der Sonne geschuetzt werden im ersten Jahr. Das Kraut kann kalte Winter ueberleben, wenn die Wurzeln gehoben werden und in trockenen Saegespaenen bis in den Fruehling ueberwintert werden. (&1)
Neuerdings werden die Samen verwendet, um die halluzinogene Rauschdroge ayahuaska nachzubilden. Peganum harmala wird anstelle der seltenen Dschungelliane Banisteriopsis caapi verwendet, eine Pflanze, die auch die gleichen beta-Karbolinalkaloide enthaelt, denn die Steppenraute ist die staerkste natuerliche Quelle fuer beta-Karbolinalkaloide dieses Typus. Die eigentliche halluzinogene Wirkung stammt aber von den halluzinogenen Tryptaminen, die dem ayahuasca-Gebraeu beigegeben werden. Diese entstammen der Psychotria viridis genannten Pflanze, deren Blaetter durch ihren Gehalt an DMT (Dimethyltryptamin) eben die halluzinogene Wirkung verursachen. Es wird aber auch die Dschungelliane Banisteriopsis rusbyana als Alternative verwendet, welche ebenfalls das halluzinogeneTryptamin DMT enthaelt. Abschliessend ist noch anzufuehren, dass nicht unbedingt beta-Karbolinalkaloide notwendig sind, um eine ayahuaska-aehnliche Rauschdroge zu produzieren, denn die Wirksamkeit von ayahuaska entsteht dadurch, dass eine sogenannte MAO-Hemmung ausgeloest wird. MAO (Mono-Amin-Oxidase) ist ein Enzym im Koerper des Menschen, welches zum Abbau von Aminen vorhanden ist und das Halluzinogen DMT dadurch zersetzt, wenn es durch den Mund aufgenommen wird und nicht geraucht wird. Aber MAO-Hemmer sind weitverbreitet, sowohl im Pflanzenreich (z. Bsp.: Myristica fragrans (die Muskatnuss), aber auch als Medikamente, wo sie in der Gruppe der Antidepressiva eine groessere Rolle spielen. Viele am Markt befindliche Antidepressiva sind von ihrer Wirkung her auch MAO-Hemmer und koennen und werden auch als Ersatz fuer die natuerlichen beta-Karbolinalkaloide eingesetzt. Eine solche Bereitung, die sich aus MAO-hemmenden Antidepressiva und einem halluzinogenen Tryptamin zusammensetzt und auch als Rauschdroge getrunken wird, hat von Jonathan Ott, den passenden Namen "pharmahuasca" bekommen. (eigen)

Bildquelle. Pflanze mit geoeffneten Blueten.
Wie festgestellt wurde, zeigen die Samen allein keine bis kaum eine Wirkung: Es wurden 10g der Samen, zerquetscht, in Apfelmus eingenommen. Dies vor allem deswegen, da Aepfel sehr sauer sind und die Loesung der Alkaloide meines Erachtens verbessern koennten. Andererseits aber auch, um den Geschmack der Samen zu uebertoenen. Der Geschmack war naemlich sehr bitter. Erste Wirkungen setzen nach 1h ein. Der Zustand, den man erreicht, ist klar nicht als nuechtern zu beschreiben, dennoch ist kaum eine Wirkung zu beobachten. Diese eigenartige Wirkung haelt einige Stunden an. Die Samen sind eindeutig alleine nicht halluzinogen. (eigen)
Im Selbstversuch mit einem Rohextrakt aus Peganum harmala (der Steppenraute) konnten keine nennenswerten halluzinogenen Eigenschaften festgestellt werden. Erst bei Zukonsum von Haschisch wurde eine leichte Verstaerkung der halluzinogenen Wirkung bemerkt, die sich in einer Art von Facettensehen aeusserte. Die Wirkung war nur von sehr kurzer Dauer. (eigen)
Es wurde sogar ein Extrakt nach dem Originalrezept von Manske erstellt, der bis zur Kristallisation der Alkaloide durchgefuehrt wurde. Diese Kristalle wurden in Wasser geloest, ebenso auf ihre Wirksamkeit getestet. Doch selbst der Einsatz hoher Dosen dieses Konzentrates erreichte keine halluzinogene Wirkung. (eigen)
Die beta-Karbolinalkaloide der Samen wirken als MAO-Hemmer. (#31, #57) Die Samen werden dehalb dazu verwendet, oral nicht wirksame Tryptaminbereitungen, dennoch halluzinogen wirksam zu machen. Durch Hemmung des Enzyms MAO (Mono-Amino-Oxydase) wird der Abbau der halluzinogenen Tryptamine (v.a. DMT) verhindert und sie koenne so durch die Blut/Hirnschranke ihren Wirkort im Gehirn erreichen. Dieses Wirkprinzip entstammt der amazonischen Rauschdroge ayahuaska, die sich ja aus beta-Karbolinalkaloiden und halluzinogenen Tryptaminen zusammensetzt. (#57)
1. Jhdt. n. Chr.: Wohl die frueheste Erwaehnung der Steppenraute findet sich bei Dioskurides: "Einige nennen dasselbe auch Harmala, die Syrer Besasa, die Kappadokier aber Moly, weil es im grossen Ganzen eine Aehnlichkeit mit Moly zeigt, da es eine schwarze Wurzel und weisse Blueten hat. Es waechst auf huegeligem und fruchtbarem Boden. (#32)

Bildquelle. Bluete (vergr.).
"Die zerquetschten Samen werden mit dem dreifachen ihres Gewichts mit H2O bedeckt, welches 30g Essigsaeure/1l H2O enthaelt. Die Samen quellen auf, waehrend sie die Fluessigkeit aufsaugen und bilden einen dicken Teig, welcher nach 2-3 Tagen ausgepresst wird. Die ausgepressten Samen werden einmal mehr wie oben behandelt, aber mit dem doppelten ihres Gewichts an verd. Essigsaeure; Nach dem Einweichen wird die Fluessigkeit wieder ausgepresst. Zu den vereinten Loesungen wird NaCl (100g/1l Fluessigkeit) hinzugefuegt, um die Acetate von Harmin und Harmalin in die Hydrochloride ueberzufuehren, welche in kalten NaCl-Loesungen unloeslich sind und sich waehrend des Kuehlens niederschlagen. Die oben schwimmende Fluessigkeit wird abgesaugt, der kristalline Rest unter Vakuum filtriert und erneut in heissem H2O geloest. Das Zufuegen von NaCl zu der gefilterten Loesung verursacht die Faellung des Hydrochlorids als Kristallbrei. Dieser Prozess wird sooft wiederholt, bis das Hydrochlorid eine gelbe Farbe erreicht. Das Endprodukt wird durch Filtration zurueckgewonnen." (USENET)
Diese obige Prozedur wurde von mir nachvollzogen und erwies sich ausreichend effizient, um die beta-Karbolinalkaloide aus der Steppenraute zu gewinnen. Mittels dieser Methode wurde das Rohmaterial fuer die Selbstexperimente hergestellt. (eigen)
Abbildung 2: Zeichner: Nach Tabernaemontanus Jacob Theodor; In: RAETSCH CHRISTIAN: "Von den Wurzeln der Kultur. Die Pflanzen der Propheten.", S. 68, Sphinx Verlag, Basel, 1991.