Banisteriopsis Caapi (Spruce ex Grisebach) Morton

Bildquelle.1. Trieb mit Bluetenstand. 2. Bluete. 3. Fluegelfrucht.

Andere Namen:

Yahe, (#12) Ayahuasca "Todesstrick", Natem, (#20) Banisteria c. Spruce; ayahuaska (Liane der Geister in der peruanischen Quechua-Sprache), (#13) Weinranke des Todes (soga de muerte), (#25) Jurema, Natema, Nape, Bejuco de oro, (#31, 32) Yajé (&1, 62) Ayahuasca, (#12, 31, 32, 36, 62, &1) Yagé (#12, 31, 32) B. inebrians, B. quitensis, (#57) Caapi, (#31, 32, 62) pildé dapa, (#62) Yage (peruanisch). (#36)

Inhaltsstoffe:

Die Pflanze beinhaltet beta-Karbolin-Alkaloide. Es kommen hauptsaechlich Harmin, (#7, 11, 32, 57, 62) merklich weniger Harmalin (#7, 32, 57, 62) und andere beta-Karbolinalkaloide (#7, 32, 57, 62) vor, die auch in der Steppenraute (Peganum harmala) nachgewiesen wurden. (#32, 57) Die Alkaloide kommen in den Staemmen, Blaettern und Wurzeln vor. Der Gesamtalkaloidgehalt reicht von 0,05-1,36%. Der durchschnittliche Gehalt in den Staemmen betraegt 0,45% beta-Karbolinalkaloide. (#57)

Dosis:

200-400mg beta-Karbolinalkaloide sind notwendig, um genuegend koerpereigene MAO (Monoaminoxidase) zu hemmen, damit ein halluzinogenes Tryptamin oral wirksam wird. Es werden dann noch rund 30mg DMT (Dimethyltryptamin) aus einer anderen Quelle hinzugefuegt, damit das Ganze wirklich halluzinogen wird. (#57)

Aussehen:

Es ist eine riesige (#11) Waldliane, die stark verzweigt ist und ueber 20m lang wird. (#31) Sie hat eine glatte, (#11, 31) braune Rinde. Der Bluetenstand ist vielbluetig mit kleinen blassroten oder rosa Blueten. Die Blaetter sind eifoermig (#11) und klein. (#31) Sie hat eine Fluegelfrucht. (#11, 31)

Vorkommen:

Die Pflanze kommt in tropischen Zonen im noerdlichen Suedamerika (#11, 31) und auf den Westindischen Inseln vor. (#11) Sie gedeiht dort in den tropischen Waeldern. Sie ist haeufig in Amazonien und Hawaii, dort wurde sie eingefuehrt. (#31)

Pflanzl. Fam.:

Malpighiaceae - Malpighiengewaechse

Allgemeines:

Die halluzinogene Droge ist in Brasilien, Peru, Equador und Kolumbien unter vielen Bezeichnungen bekannt. (#25) Diese Waldlianen liefern den Grundstoff eines wichtigen halluzinogenen Getraenks, (#11, 32) dass in der westlichen Haelfte des Amazonastales und von vereinzelten Staemmen an den zum Pazifischen Ozean abfallenden andinen Haengen von Kolumbien und Ecuador waehrend den zeremoniellen Handlungen eingenommen wird. Die Rinde wird in kaltem Wassser zubereitet oder lange gekocht, allein oder zusammen mit allerlei pflanzlichen Zusaetzen versetzt. (#11) Es werden meist DMT-haltige Pflanzen zugesetzt, (#32) insbesondere die Blaetter von B. rusbyana, (#11, 32) und von Psychotria viridis. (#11, 32) Es werden aber auch Engelstrompeten, Jurema (Mimosa hostilis) und die Manakawurzel zugegeben. (#32) Das Halluzinogen wird gewoehnlich bei religioesen Zeremonien getrunken, etwa bei der beruehmten Yurupari-Zeremonie, einem Mannbarkeitsritual der kolumbianischen Tukano-Indianer, dass das Ende des Knabenalters bezeichnet. (#11) Die Droge wird in dramatischen Pubertaetsriten benutzt, zu denen auch eine intensive Geisselung gehoert, und ist bekannt fuer ihre massiven Wirkungen. (#25) Die Rinde kann auch gekaut werden. Neuere Beobachtungen aus dem noerdlichen Amazonasgebiet deuten darauf hin, dass die Pflanze auch als Schnupfpulver gebraucht wird. (#11) Als Droge werden die frischen, seltener auch getrockneten Lianen (Stengel) verwendet. (#31) Es gibt noch ein anderes Bereitungsverfahren: Ein Stueck des wurzelnahen Lianenholzes wird in handgrosse Scheiben geschnitten. Innerhalb von 2-24h wird dieses Holz abgekocht und so lange eingekocht, bis der Absud, die fuer die Wirkung erwuenschte Konzentration erreicht hat. Die Fluessigkeit wird dann abgeseiht und wieder wird Wasser hinzugefuegt. Das Ganze wird weitergekocht und erneut eingedickt. (#20)

Von Claudio Naranjo, einem chilenischen Psychiater und Gestalttherapeut, wurde ein Banisteriopsis Alkaloid fuer seine Arbeit mit seelisch kranken Patienten verwendet, naemlich das Harmalin. (#13)

Die Pflanze war sehr selten in Kultur. Sie wird jetzt einfach gezuechtet und erreicht mehr als 7,5m Laenge an einem sonnigen Fenster in einem Sommer. Die topfgezogenen Winden sind sehr fruchtbar. Sie koennen im Freien auf Spalieren hinaufwachsen. Das Sommerwachstum wird zurueckgeerntet und die Mutterplanze wird ins Haus gebracht, bevor der Frost beginnt. Sie ueberlebt Winternaechte um 4 Grad Celsius, verliert zwar ihre Blaetter, aber treibt von noch kaelteren Wettereinbruechen wieder aus. (&1)

Sucht:

Die Ausbildung einer koerperlichen oder psychischen Abhaengigkeit ist nicht bekannt geworden. (eigen)

Geschichte:

Ende 17. Jdht.: Der Jesuitenpriester José Chantre y Herrera erwaehnte ayahuasca das erste mal.

1737: Der Jesuit Maroni gab mehr Details der Wirkung an.

1740: Der Jesuit J. Magnin bestaetigte.

1858: Der equadorianische Geograph Manuel Villavicencio testete die Rauschdroge erstmalig in der Region des Oberen Rio Napo.

1851-1859: Der britische Botaniker Richard Spruce begann die wissenschaftliche Erforschung von ayahuasca..

1905: R.Z. Bayon isolierte eine amorphe Bereitung aus yajé.

1923: G. Fischer Cárdenas isolierte telepatina.

1925: Der kolumbianische Chemiker A.M. Barriga Villalba isolierte 2 Alkaloide: yajéina und yajénina.

1928: Louis Lewin isolierte Banisterin.

1929: Bayón's und Fischer Cárdenas telepatina, Barriga Villalba's und Albarracin's yajéina und Lewins Banisterin wurden als Harmin identifiziert.

1939: Die Chemiker A.L. und K.K. Chen benutzten botanische Beispielexemplare und bestaetigten, dass Telepathin, yajéin und Banisterin chemisch ident sind.

1953: W.S. Burroughs bereiste Kolumbien und testete ayahuasca. (#57)

1963: "Auf der Suche nach Yage" wurde von W. S. Burroughs veroeffentlicht. Der Reisebericht wurde beruehmt. (#36)

1970: Der equadorianische Wissenschafler Plutarco Naranjo publizierte ein Buch ueber ayahuasca.

1972: Marlene Dobkin de Rios Werk: "The Visionary Vine" erschien.

1985: Der Gebrauch von B.c. wurde in Brasilien verboten.

1987: Das brasilianische Verbot wurde aufgehoben. (#57)

Wirkungen:

Ein Bericht von Villavicencio lautet: "Jedesmal empfand ich Schwindel; manchmal machte ich eine Luftreise, waehrend welcher ich mich erinnere, die bezaubernsten Ausblicke gehabt zu haben, grosse Staedte, hohe Tuerme, prachtvolle Parks und andere herliche Objekte. Manchmal habe ich mir auch eingebildet, ich befaende mich allein in einem Walde, von wilden Tieren angefallen, gegen die ich mich verteidigte." Am Morgen erwachte Villavicencio mit Kopfschmerzen und Uebelkeit. (#13)

Das Wirkungsbild des Rausches, der durch den bitteren und Uebelkeit erregenden Trank ausgeloest wird, schwankt zwischen angenehmer Trunkenheit ohne Nachwirkungen und heftigen Reaktionen, die Erbrechen bewirken. Meist treten farbenreiche Sinnestaeuschungen auf. (#11) Der Rausch endet jeweils mit einem starkem Schlafbeduerfnis. (#11, 13)

Die in der Pflanze enthaltenen beta-Karboline wirken als MAO-Hemmer, d.h. sie verhindern den Abbau von bestimmten Neurotransmittern und koerperfremden Aminen. Den Ayahuasca-Truenken werden meist DMT-haltige Substanzen zugefuegt. DMT ist oral unwirksam. Es wird von dem Enzym Mono-Amino-Oxydase (MAO) abgebaut, bevor es die Blut-Hirn-Schranken passieren kann. Wird DMT aber mit beta-Karbolinen kombiniert, ist es oral wirksam. Fuer die dem Ayahuasca zugeschriebenen halluzinogenen Wirkungen ist also die Kombination von Harmin, Harmalin und DMT verantwortlich. (#32)


Bildquellen:

Abbildung 1: Zeichner: SMITH E.W.; In: SCHULTES Richard Evans, HOFMANN Albert: "The Botany and Chemistry of Hallucinogens", THOMAS Charles C. Publishers, S. 164, 1980.