Psilocybe mexicana Heim

Pflanzenbild Bildquelle. Dies ist eine Abbildung gezuechteter Exemplare aus dem Labor des Schweizer Drogenforschers Dr. Albert Hofmann.

Andere Namen:

Teonanakatl-Pilz, (#25) Mushroom of the Gods, (#29) Teonanacatl (aztek., 'geheiligter' Pilz), (#29, 62/277) Nize (mazatek.), pajaritos (span.), (#29) Teo-Nanacatl, Quahtlananacatl, (#13) Lol-lu'um, Magic Mushroom, Nios, (#31) Nanacatl, (#13, #31) teunamacatlh (aztek.), (#62/277) teyhuinti-nanacatl (aztek., berauschende Pilze), (#62/278) P. m. Heim 1956, pajaritos (span., "Voegelchen"), angelitos (span., "Engelchen"), piule de churis (span. "Kleine Jungs"), chamaquillos (span. "Kleine Jungs"), teotlaquilnanacatl (Modern. Nahuatl, der heilige Pilz, der in Farben malt"), a-mo-kid (chinantek.), manadjezuhe (chinantek.), amok-ya (chinantek.), a-ni Chatina cui-ya-jo-to-ki (chinantek.), cuir-ya-jo-oki (chinantek., "der kleine Pilz-Heilige"), cuiya'jo'oki (chinantek., "Heilige Pilz des Zacatal"), di-chi-to-nize (mazatek. ), di-nize (mazatek., "kleiner Vogel"), ndi-shi-tjo-ni-se (mazatek.), ntisithonise (mazatek.), t-ha-na-sa (mazatek.), toshka (mazatek.), tsmai-ye (mazatek.), tsamikindi (mazatek.), kongk (Mixe), pi-tpa (Mixe), enedi:z (Mixe, "Hagel/Donnerzaehne"), pi:tpimus (Mixe), amokia (Mixe), mbey-san (zapotek., "Pilz-Heiliger"). (#71/32)

Inhaltsstoffe:

Der Pilz enthaelt die halluzinogenen Tryptamine Psilocybin (#45/70, #62/311) und Psilocin. (#45/70)

Pflanzenbild Bildquelle. Eine Abbildung aus dem Codex Dresdensis, die eine Gottheit mit Pilzen darstellt. Offensichtlich erkennbar ist die spitzkegelige Form der Pilze, die eindeutig auf halluzinogene Vertreter der Gattung Psilocybe hindeutet.

psilocybe mexicana is a psychedelic mushroom of the Agaricales family, having psilocybin and psilocin as main active compounds. It is a close relative to the European liberty cap. (www.shroomery.org)

Aussehen:

A. Hofmann und R.E. Schultes beschreiben den Pilz in ihrem populaerwissenschaftlichen Werk "Die Pflanzen der Goetter." folgendermassen:

Es ist ein kleiner Pilz, mit einer Hoehe von 2,5-10cm. Er besitzt einen konisch-glockenfoermigen, haeufig auch halbkugelfoermigen Hut. Beim frischen Pilz ist er schwachstrohgelb oder gruenlichgelb. Das Fleisch verfaerbt sich blaeulich, wenn der Hut gequetscht wird. Der Stiel ist hohl. Die Farbe des Stiels ist gelb bis gelblichrosa und am Grunde wechselt sie in rotbraun. Die Sporenfarbe variiert zwischen dunklen Sepiabraun und dunklen Purpurbraun. (#11)

The mushroom's hygrophanous or glabrescent cap ranges from 0.5 to 2 cm in diameter, rarely up to 3. Its form is conic-campanulate and often has a central papilla. The disk is ocherous or brown in color. The whole fungus is approximatively 0.4-1.9 cm high. The spore size is about 8-12 x 5-8 x 5-6.7Ám. They are obovoid and smooth. Spore deposits are sepia to dark purple-brown in color.
Psilocybe mexicana is known to

Vorkommen:

Der Pilz ist nahezu weltweit verbreitet. (#11) Fundberichte gibt vor allem aus den subtropischen Regionen in Mexiko (#13, #29, #30, #31) im Teilstaat Oaxaca, (#29, #31) in der Sierra Mazateca (#13) und besonders im zentralen Hochland von Mexiko, (#31) und auch aus Guatemala. (#29) Er waechst in einer Hoehe von 1350-1700m, vorwiegend in Kalksteingebieten, (#11) einzeln oder in wenigen Exemplaren (#11, #29) als Moospolster am Rande von Gebirgspfaden, auf feuchten (#11) Wiesen (#11, #29) und Feldern sowie in Eichen- und Foehrenwaeldern. (#11) Er gedeiht auch auf Pferdeweiden, obwohl er nicht auf Dung (Mist) erscheint. (#29) R. Heim und R.G. Wasson entdeckten, dass die Fruchtbildung auf einem 45%-igen Malzanteil am groessten ist, wenn der Pilz gezuechtet wird. (#29)

Psilocybe mexicana is found about 4000 to 5000 feet above sea level from the South of Mexico to Guatemala, especially in limestone regions. The species grows either isolated or sparsely in moss along roadsides and trails, humid meadows or cornfields, as well as in the margin of deciduous forests. Fruiting takes place from May to October. (www.shroomery.org)

Pflanzenbild Bildquelle. Diese Abbildung stammt ebenfalls aus dem Codex Dresdensis und zeigt eine Gottheit mit der Form nach eindeutig halluzinogenen Pilzarten.

Pflanzl. Fam.:

Strophariaceae - Schuppenpilze/Traeuschlingsartige

Allgemeines:

Diese Pilzart gehoert zur Gattung Psilocybe (den Kahlkoepfen). Diese Gattung ist bekannt durch eine Reihe halluzinogener Vertreter. So ist Psilocybe semilanceata (der Spitzkegelige Kahlkopf), der psychotrope Pilz Europas. Die Art Psilocybe cubensis ist dadurch beruehmt geworden, dass er sich leicht zuechten laesst und hat damit eine weite Verbreitung in der Drogensubkultur erhalten, wo er als Quelle fuer das begehrte Psilocybin dient. Die Gattung der Kahlkoepfe ist die noch am besten untersuchte halluzinogene Pilzgattung. Die beste zusammenfassende Arbeit stammt uebrigens von dem liechtensteiner Drogenforscher G. Guzman und wurde unter dem Titel "The Genus Psilocybe" veroeffentlicht, ist aber leider schon vergriffen. Dennoch sind noch alle Arten auf ihren moeglichen Gehalt an halluzinogenen Tryptaminen untersucht worden und es gibt noch eine Reihe von Problemen, was die Abgrenzung einiger seltener Arten voneinander betrifft. (eigen)

Der zeremonielle Gebrauch von Psilocybe-Pilzen bei den Mazateken Mexikos wurde weltweit bekannt, nachdem die beruehmte Curandera (Heilerin) Maria Sabina ihr Geheimnis dem amerikanischen Bankier und Pilzforscher R. Gordon Wasson und dessen Frau Valentina anvertraut hatte. (#25) Viele verschiedene Psilocybe-Pilzarten werden im suedlichen Teil Mexikos als Rauschpflanzen verwendet. Eine der am haeufigsten verwendeten Arten ist dieser Pilz. (#11) Konsumiert werden die frischen oder getrockneten in Honig eingelegten Pilze. (#31) Doch nicht nur dieser Pilz spielt eine wesentliche Rolle in den schon fast vergessenen Ritualen der Ureinwohner Mexikos und Guatemalas, sonder auch andere Vertreter der Gattung Psilocybe (Kahlkoepfe), beispielsweise die Art Psilocybe caerulescens, die auf die gleiche Weise bei veladas ("Pilzmessen zum Heilen") eingesetzt wird. (eigen)

Pflanzenbild Bildquelle. Der deutsche Ethnologe C. Raetsch beschreibt die Szene in dieser Abbildung folgendermassen: Seiner Meinung nach zeigt die Abbildung ein Opferritual, bei der ein Truthahn vor einer pilzgekroenten Statue geopftert wird. Die Zeichnung wurde von ihm aus dem Codex Dresdensis entnommen.

Diese Pilzart hat niemals ausserhalb von Mexiko eine bedeutende Rolle gespielt, im Gegensatz zu anderen Pilzen aus der Gattung Psilocybe, die weltweit verbreitet wurden. So wurde die nahe verwandte subtropische Art Psilocybe cubensis zum meistgezuechtesten halluzinogenen Pilz der Erde und kommt jetzt wild in Amerika, Afrika und Asien vor, was sie ehedem nicht tat. Auch Psilocybe mexicana wurde gezuechtet und zwar in den Labors der Firma Sandoz, doch diese Methode wurde nicht publik gemacht und die Zucht, um das begehrte, fast weltweit illegale Psilocybin zu gewinnen, verlegte sich eben auf Psilocybe cubensis. In Europa hat sich uebrigens die heimische Art Psilocybe semilanceata (der Spitzkegelige Kahlkopf) aufgrund seiner Haeufigkeit als der halluzinogene Pilz durchgesetzt - zuechten laesst er sich auf jeden bis heute nicht. Auf jeden Fall hat sich seit der Wiederentdeckung des Pilzkultes in den 50┤er Jahren eine weltweite Bewegung entwickelt, die sich aus die Einnahme, das Sammeln und Zuechten von halluzinogenen Pilzen spezialisiert hat. Es gibt sogar schon Spezialfirmen, v.a in Amerika und Holland, die das dazu benoetige Know-how und die Geraete gleichermassen anbieten. Ebenso hat sich der der Pilztourismus entwickelt und selbst vor den unzugaenglichsten und entlegensten Gebieten Mexikos und Guatamalas nicht aufhalten lassen, was die Beschaffenheit dieser Gegend und die Kultur der dortig lebenden Menschen stark veraendert hat. Ein Phaenomen uebrigens, dass auch vor anderen Laendern auch nicht halt gemacht hat. Die Pilzsucher, die weltweit taetig sind, haben halluzinogene Pilze auch in Indien (Kodaikanal), in Thailand (Koh Samui, ...) in Bali, in Nepal (Pokhara), Australien, Neuseeland, Europa und noch an vielen ungenannten Plaetzen entdeckt, was ueber kurz oder lang den Massentourismus in diese Gegenden brachte. Dies laesst sich vor allem an der thailaendischen Insel Koh Samui, aber auch an Pokhara und Kodaikanal belegen. Die einheimischen, urspruenglichen Kulte, wenn es solche ueberhaupt gegeben hat (Indien, Thailand, Australien, Neuseeland - kannten keine halluzinogenen Pilze vor deren Entdeckung durch R.G. Wasson), werden heute von einer panglobalen Jagd nach Halluzinogenen von der Nachfolgegeneration der "Hippies" verdraengt und umgeformt, um sie ihren Handelsinteressen unterzuordnen. Fuer Einheimische ist es in jenen Gegenden oftmals schwer noch Pilze bekommen, so gefragt und teuer sind sie durch die Pilztouristen geworden. Die Veraenderung der dortigen Kulturen und eine Reihe von Problemen, die sich durch diese Art von Tourismus ergeben haben, haben einige Regierungen dazu veranlasst, das Pilzsuchen zu verbieten, beispielsweise Thailand oder Mexiko, da die einheimische Kultur durch die finanzstarken Touristen oftmals stark bedraengt wurde, verstaerkt noch durch ein kulturelles Fehlverhalten, da sich die meisten Reisenden nicht an die jeweiligen moralischen und kulturellen Gesetze jener Regionen unterordneten. (eigen)

Dosis:

3-5g getrockneter Pilze werden gegessen. 5mg Psilocybin entsprechen einer Menge von 10-30 frischen oder getrockneten Pilzen. (#31) A. Hofmann nahm eine mittlere Dosis, dass sind 2,4g getrockneter Pilze, bei einem Selbstversuch ein und erlebte die volle halluzinogene Wirkungspalette. (#14)

Wirkungen:

Ein Selbstversuch von Albert Hofmann, der die Wirkungen dieses Pilzes hervorragend beschreibt, wurde aus seinem Buch "LSD - Mein Sorgenkind" uebernommen und hier aufgefuehrt:

"Bei diesem Experiment ass ich 32 getrocknete Exemplare, die zusammen 2,4g wogen. Diese Menge entsprach den Angaben von R.G. Wasson und R. Heim von einer mittleren Dosis, wie sie von den Curanderos angewandt wird. Die Pilze entfalten eine starke psychische Wirkung, wie der nachfolgende Auszug aus dem Versuchsprotokoll zeigt: Nach 0,5h begann sich die Aussenwelt fremdartig zu verwandeln. Alles nahm einen mexikanischen Charakter an. Weil ich mir vollbewusst war, dass ich aus meinem Wissen um die mexikanische Herkunft dieser Pilze mir nun mexikanische Szenerien einbilden koennte, versuchte ich bewusst, meine Umwelt so zu sehen, wie ich sie normalerweise kannte. Alle Anstrengungen des Willen, die Dinge in ihren altvertrauten Formen und Farben zu sehen, blieben jedoch erfolglos. Mit offenen oder geschlossenen Augen sah ich nur indianische Motive und Farben. Als der den Versuch ueberwachende Arzt sich ueber mich beugte, um den Blutdruck zu kontrollieren, verwandelte er sich in einen aztekischen Opferpriester, und ich waere nicht erstaunt gewesen, wenn er ein Messer aus Obsidian gezueckt haette. Trotz dem Ernst der Lage erheiterte es mich, wie das alemannische Gesicht meines Kollegen einen rein indianischen Ausdruck angenommen hatte. Am Hoehepunkt des Rausches, etwa 1,5h nach Einnahme der Pilze, nahm der Ansturm der inneren Bilder - es waren meist abstrakte in Form und Farbe rasch wechselnde Motive - ein derart beaengstigendes Ausmass an, dass ich fuerchtete, in diesen Wirbel von Formen und Farben hineingerissen zu werden und mich darin aufzuloesen. Nach etwa 6h ging der Traum zu Ende. Subjektiv haette ich nicht angeben koennen, wie lange dieser ganz zeitlos erlebte Zustand gedauert hatte. Das Wiedereintreten in die gewohnte Wirklichkeit wurde wie eine beglueckende Rueckkehr aus einer fremden, als ganz real erlebten Welt in die altvertraute Heimat empfunden." (#14)

Wirkdauer:

Aufgrund des Hauptinhaltsstoffes Psilocybin ist mit einer etwa 5-6 stuendigen Wirkung zu rechnen, die wellenfoermig wieder abebbt, wie das auch bei allen anderen Psilocybin-haeltigen Pilzarten der Fall ist. (eigen)

Entgiftung:

Es soll an dieser Stelle an die Abhandlung ueber den Hauptinhaltsstoff Psilocybin verwiesen werden, aber auch an Beschreibungen anderer Psilocybin-haeltiger Arten, die bekannter sind. (Psilocybe cubensis, P. cyanescens, P. semilanceata [Spitzkegeliger Kahlkopf] ). Dort koennen die entsprechenden Informationen entnommen werden. (eigen)

Sucht:

Die Ausbildung einer koerperlichen oder glaubhaften, psychischen Abhaengigkeit ist nicht bekannt. (eigen)

Geschichte:

Pflanzenbild Bildquelle. Eine Pilzstatue aus Stein.

500 v. Chr. - 300 n. Chr.: Pilzstatuen werden aus Ton oder Stein von den Mayas erzeugt. (#45/57f.)

3. Jhdt. n. Chr.: Wie S.d. Borhaguy nachgewiesen hat, spielten Bilder in Form von Pilzen eine Rolle in guatemaltekischen Kulten. Die Azteken uebernahmen den Pilzgebrauch von erheblich aelteren indianischen Kulturen. (#13)

1560: "Die Chichimeken", bemerkte Bernardino de Sahagun im Florentiner Codex, "hatten grosse Kenntnisse von Pflanzen und Wurzeln und kannten ihre Eigenschaften und Kraefte. Sie selbst entdeckten und benutzten als erste die Wurzel, die sie peiotl nennen und die sie sammelten und assen, um sie zu verwenden wie Wein, und dasselbe taten sie mit Nanacatl, giftigen Pilzen, die einen trunken machen wie Wein." Spaeter erwaehnte Sahagun noch einmal Teo-Nanacatl (Gottes Fleisch), eine Sorte kleiner Pilze, die unter Wiesengras wachsen, einen hohen, duennen Stiel haben und gerne gegessen werden, weil sie trunken machen. (#13)

1569: Genauer noch beschreibt Fray Toribio de Bonavente (Motolina) in seiner "Historia de los Indios de la Nueva Espa˝a" den Genuss und die Wirkungen der Pilze waehrend religioeser Zeremonien:

"Als erstes ass man waehrend des Festes kleine schwarze Pilze, Nanacatl genannt, die einen trunken machen, Visionen und selbst Wollust hervorrufen. Sie assen sie, ehe der Tag anbrach mit Honig, und sobald sie sich durch ihren Einfluss genug erhitzt fuehlten, begannen sie zu tanzen. Andere sangen, wieder andere weinten, weil sie berauscht waren, anderen versagte die Stimme. Diese setzten sich in einen Raum, wo sie in sich versunken blieben. Sie hatten das Gefuehl, sie stuerben, und weinten in ihren Halluzinationen, andere sahen sich von einem wilden Tier aufgefressen, wieder andere bildeten sich ein, sie naehmen einen Feind im Kampfgetuemmel gefangen. Dieser glaubte, er sei reich, jener, er haette eine grosse Anzahl von Sklaven. Es gab welche, die glaubten, man habe sie beim Ehebruch ertappt und werde ihnen nun den Kopf wegen dieser Missetat zerschmettern oder sie haetten sich irgendwelcher Diebstaehle schuldig gemacht, wofuer man sie jetzt toeten werde ..., und noch tausend andere Visionen. Nachdem der Rausch vorbei war, unterhielten sie sich untereinander ueber ihre Halluzinationen." (#13)

Pflanzenbild Bildquelle. Eine Pilzstatue aus Mittelamerika.

Resoluter als Motolina beschrieb Padre Jacinto de la Serna den "Goetzendienst mit den kleinen, gelben Pilzen", die von Priestern und alten Leuten gesammelt wurden, die eine ganze Nacht neben ihnen im Gebet verharrten und im Morgengrauen, wenn ein leichter Wind zu wehen begann, die Pilze assen, "denen sie goettliche Eigenschaften zuschrieben, mit denselben Eigenschaften wie Ololiuqui oder Peyote, da sie, gegessen oder getrunken, die vergiften, welche sie nahmen, sie ihrer Sinne berauben und tausend Irrtuemer glauben lassen." (#13)

1598: Ein weiterer Historiker, Tezozomoc, ein bekehrter Indio, beschrieb in seiner "Cronica Mexicana", wie bei der Kroenung des spaeter von den Spaniern ermordeten Montezuma im Jahre 1502 die Mexikaner fremden Besuchern wilde Pilze (hongos montesinos) gaben, worauf die Gaeste trunken wurden und wilde Taenze begannen. (#13)

Diego Duran ("Historia de los Indios") ging noch weiter ins Detail:

"Nachdem die ueblichen Menschenopfer dargebracht worden waren, assen alle Teilnehmer an der Kroenungszeremonie rohe Pilze (hongos crudos), die sie betrunkener machten als viel Wein. In ihrer Ekstase toeteten sich viele mit eigener Hand, andere erlebten durch die Macht der halluzinogenen Pilze Visionen und Offenbarungen ueber die Zukunft." (#13)

1651: Francisco Hernandez, ein spanischer Arzt, berichtete von 3 Arten von halluzinogenen Pilzen. (#68/67)

Der aztekische Pilzkult ist inzwischen im ueberwiegendem Teil Mexikos erloschen. (#13)

1919: Der in Oesterreich geborene Ethnobotaniker Blas Pablo Reko behauptete, dass Nanacatl ein Pilz sei, (#62/279) und traf damit den Nagel auf den Kopf. (eigen)

1936: Robert J. Weitlaner, ein oesterreichischer Ingenieur, bekam halluzinogene Pilze und sandte diese zur Untersuchung an Blas Pablo Reko, der sie wiederum nach Harvard sandte. Doch die Pilze kamen verfault an. (#68/68, #62/279)

Pflanzenbild Bildquelle. Eine Pilzstatue.

1939: Weitlaner's Tochter Irmgard und der Anthropologe Jean Basset Johnson beobachteten eine Pilzzeremonie. (#62/279)

1958: Richard Gordon Wasson und seine Frau Valentina Pavlovna liessen sich von R.J. Weitlaner in ein Bergdorf fuehren und deckten den Pilzkult durch ihre Veroeffentlichung endgueltig auf. (#68) Dies gelang nur durch die Hilfe von Maria Sabina, einer mexikanischen Heilerin (curandera), die das jahrhundertelang gehuetete Geheimnis um die halluzinogenen Pilze, den beiden mitteilte. (#12, #45, #62) R.G. Wasson veroeffentliche seine Forschungsergebnisse im Journal "Time", wodurch der geheime Pilzkult endgueltig, weltweit, bekannt wurde. (eigen)

1958: Roger Heim und Albert Hofmann isolierten endgueltig die halluzinogenen Tryptamine Psilocybin und Psilocin. Damit wurde das Geheimnis der halluzinogenen Pilze Mexikos und Guatemalas endgueltig geklaert, indem man naemlich das Wirkprinzip aus den natuerlichen Pilzen isolierte, es chemisch synthetisierte und die Wirkungen verglich. (#45/70, #62/311)

Pflanzenbild Bildquelle. Illustrationen aus dem Werk von Berardino de Sahagun.

1959: Albert Hofmann und Troxler isolierten nochmals Psilocybin. (#62/311)

1960: Stein isolierte Psilocybin. (#62/312)

Es entwickelte sich in den folgenden Jahren ein regelrechter Pilztourismus aus den Industrielaendern, vor allem in den mexikanischen Teilstaat Oaxaca, wo teilweise gegen Bezahlung Massenveranstaltungen mit halluzinogenen Pilzen in Mexiko veranstaltet wurden. Durch Panikreaktionen einiger Beteiligter wurden noch zusaetzliche Spannungen mit den Einheimischen erzeugt und Polizei und Armee wurden eingesetzt, um den Ansturm der Beteiligten einzustellen. Schliesslich wurde ein Gesetz erlassen, dass den Verkauf an Touristen verbat. (#51/89)

Mitte 70'er: Lowy berichtete, dass P.m. Pilze dieser Art in der Naehe der Hauptstadt Mexikos zum Verkauf angeboten werden. (#51/89)


Bildquellen:

Abbildung 1: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, S. 210, Aarau, 1998. (Die Abbildung stammt urspruenglich aus dem Werk "The Botany and Chemistry of the Hallucinogens", von den Autoren SCHULTES Richard Evans und HOFMANN Albert.)

Abbildung 2: In: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 3: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 4: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 5: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 6: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 7: In: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.

Abbildung 8: In: RAETSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Goetter.", AT Verlag, Aarau, 1998.


Bibliographie:

Das Quellenverzeichnis der Enzyklopaedie