Psilocybe cubensis (Earle) Singer

Andere Namen:
The King, (#30) Stropharia cyanescens Murr., Stropharia caerulescens (Pat.) Sing., Naematoloma caerulescens Pat., Hypholoma caerulescens (Pat.) Sacc. & Trott., Cubensis, (#29) Stropharia c. Earle, (#11, #29, #32, #62, #71/32) Hongo de San Isidra (im mexik. Teilstaat Oaxaca), Di-shi-tjo-le-rra-ja (mazatek. "Goettlicher Dungpilz"), (#11) San Isidro, (#29) gold top (Australien), (#51) teonanácatl (aztek.), (#25, #32, #62/275ff.) San Isidor (span.), San Isidro Labrador (span.), honguillos de San Isidro Labrador (span., "Pilze des heiligen Isidro Labrador" - der heilige der Landwirtschaft), derrumbe del estiércol de vaca (span., "Abgrund der Kuhfladen"), nocuana-be-neeche (zapotek.), nti-si-tjole-ncha-ja (mazatek., "Pilz wie der, der auf Kuhfladen waechst"), teotlaquilnanácatl (Modernes Náhuatl, "der heilige Pilz, der in Farben malt"), tenkech (Chol [Palencano]), lòl lú´um, (yukatek. Maya, "Blueten der Erde"). (#71/32)
Inhaltsstoffe:
Der Alkaloidgehalt betraegt 1% Psilocybin und Psilocin / g getrockneter Pilzmasse. (#29) Der Pilz enthaelt aber die halluzinogenen Tryptamine Psilocybin, (#11, #51, #62/311) Psilocin (#12) und auch Baeocystin. (#62/318) Das Myzel enthaelt weniger Psilocybin als die Fruchtkoerper. (#62/290)
Vorkommen:
Er waechst gewoehnlich auf Pferde- und Kuhweiden (#29, #30) auf Dung (Mist) (#29, #51) oder in Erde, die mit Dung angereicht ist. (#29, #30) Der Pilz bevorzugt eher Kuhmist. Er ist seltener auf Pferdemist zu finden. (#30) Es ist eine nahezu weltweit verbreitete Art, (#11, #29, #62/287) die in tropischen und subtropischen Zonen der Welt zu Hause ist. Sie ist ueblich in den Weidegebieten der Golfkueste der suedlichen USA und Ost-Mexikos, (#29) ebenso kommt sie in Australien, in den Taelern im Suedosten von Queensland und in Neusuedwales, vor. Fundberichte gibt es auch aus Thailand und Kambodscha. (#51) Die Fruchtzeit der Pilzart reicht vom Fruehjahr bis in den fruehen Herbst hinein. (#30)
Laut dem Mykologen (Pilzforscher) Gaston Guzmán wurde dieser inzwischen weltweit verbreitete Pilz durch afrikanische Rinder nach Amerika eingeschleppt. (#71/32)
Pflanzl. Fam.:
Strophariaceae - Schuppenpilze/Traeuschlingsartige
Aussehen:
J. Stevens beschreibt den Pilz, wie folgt:
Der Hut ist 2-8cm breit. Die Hutfarbe ist blass lederbraun bis weiss. Er wird leicht dunkler im Zentrum. Die Oberflaeche ist glatt mit weissen Flecken, waehrend der Pilz jung ist. Der Hut wird im Alter flach aufgewoelbt.
Der Stamm ist gerade bis knorrig, besonders bei einigen kultivierten Straengen. Er wird dicker zur Basis hin. Er ist faserig und weiss. Er wird schnell und intensiv blau, wenn er gequetscht wird oder auch im Alter. Der Ring bleibt zurueck, verdunkelt von
herabgefallenen Sporen. Die Lamellen sind geschlossen, haben weisse Kanten und werden grau bis violettgrau bis zu schwarz, bei der Sporenreife. (#30)
P. Stamets und Chilton geben die typischen Merkmale, wie folgt, an:
Es ist ein mittlerer bis grosser Pilz. Der Hut ist konvex bis eben im Alter, gewoehnlich kastanienbraun pigmentiert bis dunkelgelblich oder goldbraun. Die Hutoberflaeche ist mit feingliedrigen Fasern bedeckt, manchmal gibt es sogar vereinzelte, kurzlebige und wollige Streifen, die bald verschwinden. Das partielle Velum ist haeutig und gut entwickelt. Es hinterlaesst normalerweise einen ausdauernden Ring in der oberen Stammesregion. Der Stamm ist oft laenglich gestreift, ueber dem Ring angepulvert, und unten ist er mit dunklen Fasern bedeckt. Das Fleisch faerbt sich blaeulich bis blaugruenlich, wenn es gequetscht wird. Der Sporenabdruck ist purpurbraun. (#29)
A. Hofmann und R.E. Schultes geben folgende Beschreibung, in ihrem Buch "Pflanzen der Goetter", einem populaerwissenschaftlichen Werk ueber Halluzinogene, an:
Der Pilz wird 4-8cm hoch, seltenen sogar bis zu 15cm. Der Hut ist konisch-glockenfoermig, anfangs spitzfoermig und spaeter konvex oder flach. Die Faerbung ist schokoladebraun, schwach gelbbraun bis
weisslich zum Rand hin, im Alter oder nach Verletzung kann sich der Hut dunkelblau verfaerben. Der Stengel ist hohl, am Grunde meist etwas verdickt, weiss, laenglich gestreift und mit der Zeit gelb oder schmutzig rot. Die Lamellenfarbe variiert von weisslich
ueber dunkelgrau-violett bis purpurbraun. (#11)

Bildquelle. Der Lebenszyklus des Pilzes Psilocybe cubensis.
Allgemeines:
Diese Pilzart ist ein typischer Vertreter der halluzinogenen Pilze aus der Gattung Psilocybe (Kahlkoepfe). Er ist damit nahe verwandt mit einer Reihe anderer, weltbekannter Halluzinogen, wie dem in Europa stark verbreiteten Psilocybe semilanceata (dem Spitzkegeligen Kahlkopf), aber auch mit Psilocybe cyanescens (dem Blauenden Kahlkopf), welcher in tropischen und subtropischen Gegenden eine bedeutende Rolle als Halluzinogen spielt. (eigen)
Der Pilz gehoert zu den 'heiligen' Teonanakatl-Pilzen Mexikos. Er ist auch mit Stropharia cubensis identisch, was nur eine andere, alte Bezeichnung fuer diesen Pilz war. (#25, #62/291) Dieser Pilz ist im mexikanischen Teilstaat Oaxaca bekannt als Hongo de San Isidra. Er ist dort ein wichtiges Halluzinogen. Allerdings wird er dort nicht von allen Schamanen benutzt. (#11) Die Schamanen der Lakandonen opfern P.c. und Panaeolus subbalteatus ihren 'Goettern', aber es gibt keine Berichte, dass sie die Pilze einnehmen. (#62/277)
P.c. Pilze sind heute die kommerziell am weitesten
verbreitete halluzinogene Art. Ebenso ist P.c. der am haeufigsten gezuechtete halluzinogene Pilz. Es gibt heute viele Anbieter in den USA, Deutschland und Holland, die Sporen, Pilze und Zuchtmaterial fuer den Anbau zuhause anbieten, obwohl die Produktion von Psilocybin eindeutig durch die single convention beinahe weltweit verboten ist. (eigen)
An vielen Orten in der Welt, wo dieser Pilz gedeiht, v.a. in Mexiko, Nord- und Suedamerika und in Australien, wird der Pilz von eigens angereisten Pilzsuchern geerntet und eingenommen. Es hat sich ein regelrechter 'Kult' um die Einnahme des halluzinogenen Pilzes gebildet. (eigen)
Vor kurzem wurden Kulturen von P.c. durch den Leipziger Mykologen J. Gartz mit dem halluzinogenen Tryptamin DET gefuettert. Die Kulturen erzeugten dann selber das Halluzinogen CZ-74. (#62/283)
Eine weitere, kuerzlich erst erschiene Arbeit von J. Gartz et al., beschreibt den Gebrauch des Pflanzenwachstumshormons 22S,23S-Homobrassinolid, dass eine 2-3 fache Steigerung in der Wachstumsrate von P.c. Myzel erbrachte. (#62/291)
Wirkungen:
Der Pilz ist sehr stark halluzinogen wirksam. (#30) Bei dieser Pilzart treten die gleichen Wirkungen, wie beim Konsum von Psilocybe semilanceata (dem Spitzkegeligen Kahlkopf) Pilzen auf, da beide Arten die gleichen Inhaltsstoffe enthalten und beides hochwirksame Pilzarten sind, die hohe Dosen der bekannten Pilzhalluzinogene Psilocybin, Psilocin und auch Baeocystin enthalten. Es soll an dieser Stelle an die Wirkungsbeschreibungen der einzelnen Inhaltsstoffe, aber auch auf die Wirkungbeschreibung des Spitzkegeligen Kahlkopfs verwiesen werden, da dort genauere Erlaeuterungen zur Wirkung abgedruckt sind. (eigen)
Sucht:
Die Ausbildung einer koerperlichen oder glaubhaften, psychischen Abhaengigkeit ist nicht bekannt. (eigen)
Dosis:
2-3 frische oder getrocknete Pilze loesen die halluzinogene Wirkung aus. (#32)
Wirkdauer:
Es ist aufgrund des Hauptinhaltsstoffes Psilocybin mit der gleichen Wirkdauer wie bei den anderen, bekannteren halluzinogenen Pilzen (Psilocybe cubensis, P. cyanescens oder auch P. semilanceata [Spitzkegeliger Kahlkopf] ) zu rechnen. Die Dauer der Wirkung betraegt somit etwa 5-6 Stunden. (eigen)
Zucht:
Die Pilze koennen leicht von den Sporen oder auch von entnommenen Gewebeteilen vermehrt werden, weshalb die Art zu den am haeufigsten gezuechteten Pilzarten der Welt zaehlt. Zur Zucht werden die gleichen Methoden, wie bei der Champignonzucht angewendet. (eigen)
- Sporenkultur
Von frischen Pilzen wird ein Sporenabdruck erstellt. Mittels eines Skalpells oder eines entsprechenden Drahtstueckes werden einige Sporen entnommen und auf eine Naehrloesung gegeben, damit diese keimen koennen. (eigen)
- Gewebekultur
Aus einem frischen Pilz wird ein Stueckchen herausgeschnitten. Die Oberflaeche des Pilzes sollte vorher noch sterilisiert worden sein, am besten mit Alkohol. Das Pilzstueckchen wird auf eine Naehrloesung gegeben, die es durchwuchern kann. Verunreinigte Petrischalen werden entfernt. (eigen)
- Petrischalen und Naehrboeden
Petrischalen werden mit entsprechenden Naehrboeden gefuellt. Als Naehrboeden koennen verschiedene Medien dienen. In die Mitte der Petrischale wird ein Stueckchen Pilz oder eine Sporenprobe gegeben. Die Myzelfaeden, die entweder aus dem Pilstueck oder von den Sporen ausgehend das Glas sternfoermig durchwachsen, werden bevor sie den Rand des Glases erreicht haben, entweder - auf neue Boeden aufgebracht - oder - in ein mit Roggensubstrat gefuelltes "Rex"-Glas (Einweckglaeser) gegeben. (eigen)
Grundsaetzlich werden Kartoffel/Agar-Agar und Kalk verwendet; Es werden auch Malz-Dextroseboeden verwendet. (Oss + Oeric, Paul Stamets und Co.)
Moegliche Substitute fuer die Zucht anderer Pilze waeren Gelatine, Puddingpulver und andere Zuckerarten (Fructose, ...), aber auch andere Lebensmittel (Maniok, Mehl) geeignet. (eigen)
- Roggensubstrat
Roggen wird unter Zufuhr von Kalk weichgekocht und sterilisiert. Es werden Myzelstuecke aus den Petrischalen in die Glaeser mit dem Roggen gegeben. Die Glaeser werden beinahe ganz dicht verschlossen. Aus dem Myzelstueck wachsen Pilzfaeden, die das ganze Glas durchwachsen. Vorsichtig, ohne dass viel Luft und damit Verunreinigungen in das Glas dringen, koennen die Roggenglaeser geschuettelt werden, damit der Roggen schneller von den Pilzfaeden durchwachsen wird. Sollte eine Glas verunreinigt sein, mit bsp. Schimmel oder anderem, dann muss es entfernt werden. Die sauberen Glaeser koennen entweder abgedeckt (s.u.) oder zum Weiterimpfen neuer Roggenglaeser eingesetzt werden. (eigen)
- Abdeckung und Fruktifikation
Der in kleine Stuecke zerkleinerte Roggenkuchen, welcher mit dem Myzel durchwachsen ist, wird mit sterilisierter Erde bedeckt und sehr feucht gehalten. Nach etwa einer Woche schiessen die Pilze durch die Erde und koennen geerntet werden, wenn die entsprechenden Temperaturen gegeben sind. Man nennt diesen Vorgang, bei dem die Pilze entstehen, Fruktifikation. (eigen)
Ernte:
Die Pilze werden einzeln, ohne dass Wuermer oder Erde anhaften, gepflueckt und koennen auch roh genossen werden. (eigen)
Trocknung:
Die Pilze werden gleich wie die essbaren Stein- und Herrenpilze in Scheiben geschnitten, welche auf einen Gitter ausgebreitet werden. Anschliessend werden die Pilze ohne mit dem Sonnenlicht zusammenzukommen, luftig getrocknet. Anschliessend koennen die Pilze gegessen oder gelagert werden. Die Lagerung erfolgt am besten in luftdicht verschlossenen Plastiktuetchen, die im Kuehlschrank oder in der Kuehltruhe gekuehlt aufbewahrt werden, damit das empfindliche Psilocybin und Psilocin nicht so schnell unter Luft- und Sonnenzufuhr zerfallen. (eigen)

Bildquelle. Felsbild von Tin-Tazarift in der Tassili Ebene im heutigen Algerien. Laufende oder Tanzende Menschen mit Pilzen in den Händen.
Geschichte:
ca. 9000-7000 v.Chr.: Es gibt eine alte Steinabbildung aus der Tassiliebene im heutigen Algerien, auf der laufende Menschen mit Pilzen in den Händen abgebildet sind. Samorini meint, dass es sich um die Abbildung eines entheogenen Pilzkultes handelt und die dargestellt Personen demnach Schamanen sind. (#71/117) Man muss bedenken, dass zu jener Zeit, dieses Gebiet, dass in der hetigen Sahara liegt, grün und fruchtbar war und dass vermutlich die inzwischen nur mehr südlich in den subtropischen und tropischen Regionen vorkommenden Psilocybe cubensis, unter Umständen, die abgebildeten Pilze sein könnten.
In einem aztekischen Text sind die medizinischen und berauschenden Eigenschaften beschrieben:
"Nanacatl. Sie werden Teonanacatl, Fleisch der Goetter, genannt. Sie wachsen in den Ebenen, im Gras. Der Kopf ist klein und rund, der Stengel lang und duenn. Er ist bitter und kratzt, er brennt in der Kehle. Er macht einen toericht; er verwirrt einen, bedraengt einen. Er ist Heilmittel bei Fieber, bei Gicht. Nur zwei, drei werden gegessen. Er macht traurig, bedrueckt, bedraengt; er laesst einen fliehen, erschreckt einen, laesst sich verstecken. Derjenige, der viele von ihnen isst, sieht viele Dinge, die ihn erschrecken un die in erheitern. Er flieht, erhaengt sich selbst, stuerzt sich von einem Felsen, schreit, hat Angst. Man isst ihn mit Honig. Ich esse Pilze; ich nehme Pilze. Von einem, der hochmuetig, dreist, eitel ist, sagt man: Er hat sich selbst bepilzt." (#32)
1906: Earle beschrieb P. c. in einem kubanischen Landwirtschaftsmagazin. (#51)
1938: R.E. Schultes und B.P. Reko fuhren nach Huautla de Jiménez, einem entlegenen Ort in Oaxaca, um die dort verwendeten halluzinogenen Pilze zu bestimmen. Sie sammelten dort Arten des tenonanácatl. Es konnten 3 Arten identifiziert werden. Es waren dies die Pilze Panaeolus sphinctrinus, Psilocybe cubensis und P. caerulescens. (#62/279)
1958: R. Heim und A. Hofmann, der bekannt wurde durch die Entdeckung von LSD, weisen erstmalig Psilocybin in P. cubensis nach. (#62/311)
1959: A. Hofmann et al. weisen nochmals Psilocybin in P. cubensis nach. (#62/311)
1960: Stein S. I. weist Psilocybin in P. cubensis nach. (#62/311)
1976: J. Bigwood, D.J. McKenna, K.H. McKenna und T.K. McKenna bringen eine detaillierte Anleitung zur Aufzucht von P.c. heraus. (#62/290)
1976: Harris publiziert ein zweites Werk zur Pilzzucht. (#62/290)
1977: D. B. Repke et al. weisen Psilocybin (#62/311) und Baeocystin nach. (#62/318)
1977: S. H. Pollock und J. Stevens und Gee publizieren jeweils ein Werk zur Zucht von P.c. (#62/290)
1978: P. Stamets gibt ein Buch zur Pilzzucht heraus. (#62/290) Die Technik zur Zucht verbreitet sich rapide. (#62/290)
1982: Es bildet sich ein regelrechter Markt fuer Pilzsporen, Pilzzuchtzubehoer und P.c. Pilze heran. (#62/291)
1982: J. Bigwood und M. Beug weisen Psilocybin nach. (#62/311)
1986: J. Gartz und G.K. Mueller weisen Psilocybin nach. (#62/311)
1992: W. Allen und M. D. Merlin weisen Psilocybin (#62/311) und das verwandte halluzinogene Tryptamin Baeocystin nach. (#62/318)
Bildquellen:
Abbildung 1: Zeichner: ; .
Abbildung 2: Zeichner: unbekannt; In: RÄTSCH Christian, LIGGENSTORFER Roger (Hg.): "Pilze der Götter.", AT Verlag, S. 116, Aarau, 1998.