Brugmansia sanguinea (Ruz et Pavon) D. Don

Pflanzenbild Bildquelle.1. Samen 2. Pflanze mit geoeffneter Bluete.

Andere Namen:

Blutrote Engelstrompete, (#32) Tree Datura, (&1, #62) Huanto, angel trumpet (engl.), (&1) Datura s., (#12) misha toro (Peru), (#62) Rother Stechapfel, Bovaehero, yerba de huaca (span. "Kraut der Graeber"), (#95/141) Huacacachu, huanto, chamico, campanilla, maicoa, (#45) tonga, (Peru) (#12, #36, #45) toa, (#45) Floripondio, (#15, #45, #62)

Inhaltsstoffe:

Alle Pflanzenteile enthalten Tropanalkaloide, hauptsaechlich Skopolamin (#15, #32, #62) und etwas Atropin. (#32, #62) Die Variation B.s. var. vulcanicola (auch als eigene Art: B. vulcanicola beschreiben) beinhaltet bis zu 0,83% Tropanalkaloide, damit ist sie eine der staerksten Quellen fuer diese Rauschdrogen. (#62)

Vorkommen:

Ernst Freiherr von Bibra fuehrte uebrigens bereits eine Verbreitung in Ostindien, Amerika und in Ostindien an, was vermutlich schon eine fruehe Verbreitung oder eine Verwechselung der Sorten darstellt. (#95)

Die Pflanze kommt im westlichen Suedamerika vor. (#11) Sie ist nun in allen tropischen und subtropischen Regionen als Zierpflanze eingebuergert. (#32)

Pflanzl. Fam.:

Solanaceae - Nachtschattengewaechse

Allgemeines:

Die kraeftig wirkenden Samen werden in Chicha eingelegt. Der Trunk gilt als starkes Aphrodisiakum. Engelstrompeten werden auch in Schnaps eingelegt und als Tonikum getrunken oder dem Ayahuasca beigegeben. Manche Brugmansia-Arten haben sich in allen tropischen und subtropischen Zonen als Zierpflanzen eingebuergert. Sie werden in Nepal, China, auf den Philippinen und in Indonesien genauso wie der Stechapfel volksmedizinisch und rituell genutzt. (#32) Die Pflanze ist ein "heiliger" Verbuendeter der Quechuas, seit alters her. Es ist eine Beimischungspflanze in der San Pedro Kaktusbruehe. Die Samen werden von Andenschamanen fuer Visionen eingenommen. Alle Teile sind giftig. Die Pflanze ist sehr selten, und waechst am besten in kuehlem, feuchten Wetter. (&1) Die Indianer Perus kochen aus den Blaettern verschiedener Nachtschattengewaechse einen stark alkaloidhaeltigen Trunk, namens Tonga. (#36) Das Halluzinogen wird auch als misha toro bezeichnet und in Peru verwendet. In Equador wird die Pflanze fuer die Produktion von Skopolamin angebaut. (#62)

Aussehen:

Sie ist der kaeltetoleranteste Engelstrompetenbaum. Die Blumenkronen sind 15cm lang, rot am Hoehepunkt, haben gelbe Seiten und eine gruene Basis. Sie blueht ungefaehr 5 Monate nach dem Saeen. Die Stecklinge koennen schwer aufziehbar sein. Sie waechst zu einem kleinen, verzweigten Baum heran, jedes Jahr schwer beladen mit grossen, farbfrohen Blueten. (&1)

Wirkungen:

Eberhard Wanke und Taeschner zitierte folgendes aus dem Werk Tschudis eines Reisenden, der schon von Ernst Freiherrn von Bibra zitiert wurde - aber in einer etwas anderen Art:

"Bald nach dem Genuss der Tonga verfiel der Mann, ein Indianer, in ein dumpfes Hinbrueten. Sein Blick stierte glanzlos auf die Erde, sein Mund war fest, fast krampfhaft geschlossen, die Nasenfluegel weit aufgesperrt. Kalter Schweiss bedeckte die Stirn und das erdfahle Gesicht; am Hals schwollen die Venen fingerdick an. Langsam und keuchend hob sich die Brust; starr hingen die Arme am Koerper herunter. Dann feuchteten sich die Augen und fuellten sich mit grossen Traenen. Die Lippen zuckten fluechtig und krampfhaft. Die Atmung beschleunigte sich, und die Extremitaeten machten wiederholt automatische Bewegungen. Eine Viertelstunde mochte dieser Zustand gedauert haben, als alle diese Erscheinungen an Intensitaet zunahmen. Die nun trockenen, aber hochrot injizierten Augen rollten wild in ihren Hoehlen. Die Gesichtsmuskeln waren auf das Scheusslichste verzerrt. Zwischen den halb geoeffneten Lippen trat ein dicker weisser Schaum hervor. Die Pulse an Stirn und Hals schlugen mit furchtbarer Schnelligkeit. Der Atem war kurz, ausserordentlich beschleunigt, und vermochte die Brust nicht mehr zu heben, an der nur noch leichtes Vibrieren bemerkbar war. Ein reichlicher, klebriger Schweiss bedeckte den Koerper, der fortwaehrend von den fuerchterlichsten Zuckungen geschuettelt wurde. Die Gliedmassen waren auf das Graesslichste verdreht. Ein leises unverstaendliches Murmeln wechselt mit gellenden, herzzereissenden Geschrei, einen dumpfen Heulen oder einem tiefen Aechzen oder Stoehnen. Lange dauerte dieser furchtbare Zustand, bis sich allmaehlich die Heftigkeit dieser Erscheinungen milderte und Ruhe eintrat. Sogleich eilten Weiber herbei, wuschen den Indianer am ganzen Leibe mit kaltem Wasser und legten ihn bequem auf einige Schaffelle. Es folgte ein ruhiger Schlaf, der mehrere Stunden dauerte. Am Abend sah ich den Mann wieder, als er gerade im Kreise aufmerksamer Zuhoerer seine Visionen und seine Gespraeche mit den "Geistern seiner Ahnen" erzaehlte. Er schien sehr angegriffen und abgemattet zu sein. Seine Augen waren glaesern, der Koerper schlaff und die Bewegungen traege." (#12, #95/140f.)

Im allgemeinen treten die gleichen Symptome wie bei Atropa-Arten auf. Die Pulsbeschleunigung und Roetung des Gesichts koennen fehlen. Die zentralerregenden Wirkungen des Atropins sind haeufig zugunsten der zentrallaehmenden Scopolamin-wirkung zurueckgedraengt. (#17) Die Pflanze bewirkt die gleiche Wirkung wie der Stechapfel (Datura stramonium), aufgrund der gleichen Wirkstoffe. Die Pflanze ist sehr giftig und kann zum Tod durch Atemlaehmung fuehren. (eigen) Schon bei geringer Konzentration kann es zu anticholinergen Delirien kommen, die durch hypnagoge und halluzinatorische Zustaende gekennzeichnet sind. (#32)

Subjektive Wirkungsbeschreibung:

Es wurde keine Selbstapplikation von mir vorgenommen. (eigen)

Wirkdauer:

Aufgrund der gleichen Inhaltsstoffe wie bei der nahe verwandten Art Datura stramonium (Stechapfel) ist mit einer aehnlichen Wirkung, einschliesslich aller Nachwirkungen, von 2-3 Tagen zu rechnen. (eigen)

Gegengift:

Physiostigmin wirkt als Gegengift und steht im Mittelpunkt der medikamentoesen Behandlung. Das Hauptrisiko der Vergiftung ist eine zentrale Atemlaehmung. Diese kann durch kuenstliche Beatmung abgewendet werden. Temperatursenkende Massnahmen und bei Erregungszustaenden die Gabe von Diazepam (Valium®), i.v. in kleinen Dosen, ergaenzen die Behandlung wirkungsvoll. (#2)

Geschichte:

1920: Safford beobachtete den Gebrauch von Brugmansia-Arten, sowohl in medizinischer als auch in halluzinogener Verwendung. (#45/264)

1966,1669: Bristol stellte fest, dass diese Pflanzenfamilie ihre groesste Artenvielfalt in den Anden hat. Er vermutete, dass es moeglicherweise diese Gegend ist, wo sich diese Pflanzenfamilie aus den Daturas entwickelt hat oder von den Einheimischen gezuechtet wurde. (#45/264, eigen)

1973: Die Pflanzenfamilie Brugmansia wurde von dem Botaniker Lockwood intensiv studiert. (Bevor diese Arbeit publiziert wurde kam in Hortus Third ein vorzeitiger Abdruck.) (#45/264)

1855: In seinem Werk "Die narkotischen Genussmittel und der Mensch" beschreibt Ernst Freiherr von Bibra bereits diese Pflanze, die damals noch der Gattung Datura zugeordnet war. (#95/141)

Warnhinweise:

Das Fuehren von Kraftfahrzeugen und das Betreiben gefaehrlicher Maschinen ist nicht moeglich! Aufgrund der Laehmung des Pupillenmuskels kommt es bereits bei geringen Dosen zu unscharfen Sehen! (eigen)

Schon bei mittleren Dosen kommt es bei Nachtschattendrogen die Tropanalkaloide (wie Scopolamin oder Hyoscyamin) enthalten zu Halluzinationen, die im Gegensatz zu den Pseudohalluzinationen der serotenergen Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Meskalin,...), als taeuschend echt empfunden werden. Der Berauschte sieht Dinge, die nicht vorhanden sind und ist damit im normalen Leben hoechstens gefaehrdet einen Unfall zu erleiden. (eigen)

Bei hohen Dosen tritt der atemlaehmende Effekt in den Vordergrund und der Berauschte droht zu ersticken. Es besteht hoechste Lebensgefahr! (eigen)

Bei versehentlichen Vergiftungen mit Tropanalkaloid-haeltigen Nachtschattendrogen muss auf jeden Fall ein Arzt gerufen werden, oder die Rettung, da man nie weiss, wieviel an Droge aufgenommen wurde - gerade die schoenen Beeren, der meisten Nachtschattendrogen, werden gerne von Kindern eingenommen, da sie zudem sehr suess schmecken, ist die Gefahr besonders gross! Es besteht Lebensgefahr! (eigen)

Die Wirkungen dauern bis zu 3 Tagen und damit ist es kaum moeglich den Berauschten so lange sicher unterzubringen ohne fremde, professionelle Hilfe. Es besteht grosse Gefahr durch die unscharfe Sicht einen Unfall zu erleiden! Suchen sie unbedingt Hilfe bei Aerzten, Drogenberatungsstellen und dem allgemeinen Giftnotruf. Nachtschattendrogen sind legal, also brauchen Sie auch keine Verfolgung seitens der Behoerden befuerchten. (eigen)

Es gibt ein spezifisches Gegengift, Physiostigmin, mit dem die Wirkung sofort aufgehoben werden kann! Eine Behandlung mit einem ruhig-stellenden Beruhigungsmittel ist nicht ausreichend, weil der Berauschte unter den Halluzinationen leidet! Neuroleptika sind nicht wirksam, andere atemdepressive Beruhigungsmittel, wie z.Bsp. Barbiturate erhoehen die Gefahr einer Atemlaehmung! (eigen)


Bildquellen:

Abbildung 1: Gezeichnet von BATES L.T.; In: SCHULTES Richard Evans, HOFMANN Albert: "The Botany and Chemistry of Hallucinogens", THOMAS Charles C. Publishers, S. 266, 1980.


Bibliographie:

Das Quellenverzeichnis der Enzyklopaedie