Datura inoxia P. Miller

Pflanzenbild Bildquelle. 1. Bluete, geoeffnet. 2. Bluete, geschlossen.

Andere Namen:

D. meteloides, a'neglakya (Zuņi), Toloatzin (gebeugter Kopf, aztek.), (#11, #45/285) Toloache (Mexiko) (#11, #15) (gebeugter Kopf, spielt auf die nickenden Bewegungen der Fruechte im Wind an). (#15)

Inhaltsstoffe:

Alle Pflanzenteile enthalten die Tropanalkaloide Scopolamin und Hyoscyamin. (#11, #15)

Wirkdauer:

Die Wirkdauer kann bei allen Stechapfelarten 2 bis 3 Tage dauern, wenn man alle Nachwirkungen einrechnet. (eigen)

Aussehen:

R. E. Schultes und Albert Hofmann, die Verfasser von "Pflanzen der Goetter" geben in diesem Werk eine botanische Beschreibung dieser Pflanze:

Sie ist eine krautige, bis 1m hohe, ausdauernde Pflanze, die wegen der feinen Behaarung ihrer Blaetter graeulich wirkt. Die Blaetter sind ausgebuchtet oder fast ganzrandig und bis 5cm lang. Sie hat aufrechte, suess duftende Blueten, mit einer Laenge von 14-23cm. Sie sind weiss und mit einem Hauch Rosa oder Violett ueberzogen. Die Blumenkrone hat 10 Zipfel. Die Frucht ist haengend, fast kugelig und hat scharfe Stacheln. (#11)

Vorkommen:

Sie kommt in tropischen und warmgemaessigten Zonen beider Hemisphaeren vor. (#11)

Pflanzl. Fam.:

Solanaceae - Nachtschattengewaechse

Pflanzenbild Bildquelle. Bluete.

Allgemeines:

In Mexiko und im Suedwesten Amerikas wird am ausgiebigsten Gebrauch von Pflanzen der Gattung Datura gemacht, wobei D.i. die wichtigste Art zu sein scheint. Die heute in Mexiko lebenden Tarahumara fuegen dem aus Mais bereiteten Getraenk "Tesquino" die Wurzeln, Samen und Blaetter von D. i. bei. Bei den im suedwestlichen Nordamerika lebenden Indianern ist D.i. die meistgebraeuchliche halluzinogene Pflanze. (#11, #45) Es werden aber auch andere Arten verwendet: D. discolor, D. wrightii, D. kymatocarpa, D. pruinosa, D. quercifolia und D. reburra. Allen ist gemein dass sie als "toloache" bezeichnet werden, besonders aber diese Art D. inoxia. (#45/285) Als 'Sakrament' hat sie ausserordentliche Bedeutung erlangt. Die Priester der Zuņi streuen sich die zu Pulver zerriebenen Wurzeln in die Augen. Sie kauen auch die Wurzel. Die Priester machen sich auch die schmerzbetaeubenden Eigenschaften bei kleinere Operationen, beim Schienen von Knochenbruechen und bei der Saeuberung eiternder Wunden zunutze. (#11) Die Blaetter, Samen und Wurzeln werden getrocknet und Zerrieben bevor man sie dem Tesquino, einem vergorenen Maisgetraenk zufuegt, um "gute Gefuehle und Visionen zu erreichen". Die Pflanze ist identisch mit dem "Toloache", dass die alten Azteken und andere Indianer zu den Pflanzen der 'Goetter' zaehlten. Sie hat auch heute noch eine grosse Bedeutung in Mexiko als Droge und Medizin, verwendet wird vor allem die Wurzel. (#15)

Pflanzenbild Bildquelle. Samenkapsel.

Wirkungen:

Vergiftungen durch Datura-Arten fuehren im allgemeinen zu den gleichen Symptomen wie die durch Atropa-Arten. Pulsbeschleunigung und Roetung des Gesichts koennen fehlen. Die zentralerregenden Wirkungen des Atropins sind haeufig zugunsten der zentrallaehmenden Scopolamin-wirkung zurueckgedraengt. Von Datura-Samen koennen fuer Kinder schon 15 Stueck toedlich sein. (#17) Die Wirkung ist gleich wie beim Stechapfel, botanisch D. stramonium genannt, da beide Pflanzen die gleichen Inhaltsstoffe enthalten. (eigen)

Gegengift:

Physiostigmin wirkt als Gegengift und steht im Mittelpunkt der medikamentoesen Behandlung. Das Hauptrisiko der Vergiftung ist eine zentrale Atemlaehmung. Diese kann durch kuenstliche Beatmung abgewendet werden. Temperatursenkende Massnahmen und bei Erregungszustaenden die Gabe von Diazepam (Valium®), i.v. in kleinen Dosen, ergaenzen die Behandlung wirkungsvoll. (#2)

(Es muss darauf hingewiesen werden, dass es zu keiner Verstaerkung der Atemlaehmung kommen darf; es empfehlen sich die allgemeinen Massnahmen der Ersten Hilfe und die Herbeirufung eines Arztes; ich glaube nicht, dass Valium® besonders gut geeignet ist; es empfehlen sich sicherlich zuerst Methoden des sogenannten "talk-downs";) Es muss an dieser Stelle an die ausfuehrlichen Beschreibungen bei Mandragora officinalis (Alraune) oder Datura stramonium (Stechapfel) verwiesen werden, wo auch ausfuehrliche Beschreibungen der entsprechenden Rauschzustaende und deren Aufhebung beschrieben ist. (eigen)

Warnhinweise:

Das Fuehren von Kraftfahrzeugen und das Betreiben gefaehrlicher Maschinen ist nicht moeglich! Aufgrund der Laehmung des Pupillenmuskels kommt es bereits bei geringen Dosen zu unscharfen Sehen! (eigen)

Schon bei mittleren Dosen kommt es bei Nachtschattendrogen die Tropanalkaloide (wie Scopolamin oder Hyoscyamin) enthalten zu Halluzinationen, die im Gegensatz zu den Pseudohalluzinationen der serotenergen Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Meskalin,...), als taeuschend echt empfunden werden. Der Berauschte sieht Dinge, die nicht vorhanden sind und ist damit im normalen Leben hoechstens gefaehrdet einen Unfall zu erleiden. (eigen)

Bei hohen Dosen tritt der atemlaehmende Effekt in den Vordergrund und der Berauschte droht zu ersticken. Es besteht hoechste Lebensgefahr! (eigen)

Bei versehentlichen Vergiftungen mit Tropanalkaloid-haeltigen Nachtschattendrogen muss auf jeden Fall ein Arzt gerufen werden, oder die Rettung, da man nie weiss, wieviel an Droge aufgenommen wurde - gerade die schoenen Beeren, der meisten Nachtschattendrogen, werden gerne von Kindern eingenommen, da sie zudem sehr suess schmecken, ist die Gefahr besonders gross! Es besteht Lebensgefahr! (eigen)

Die Wirkungen dauern bis zu 3 Tagen und damit ist es kaum moeglich den Berauschten so lange sicher unterzubringen ohne fremde, professionelle Hilfe. Es besteht grosse Gefahr durch die unscharfe Sicht einen Unfall zu erleiden! Suchen sie unbedingt Hilfe bei Aerzten, Drogenberatungsstellen und dem allgemeinen Giftnotruf. Nachtschattendrogen sind legal, also brauchen Sie auch keine Verfolgung seitens der Behoerden befuerchten. (eigen)

Es gibt ein spezifisches Gegengift, Physiostigmin, mit dem die Wirkung sofort aufgehoben werden kann! Eine Behandlung mit einem ruhig-stellenden Beruhigungsmittel ist nicht ausreichend, weil der Berauschte unter den Halluzinationen leidet! Neuroleptika sind nicht wirksam, andere atemdepressive Beruhigungsmittel, wie z.Bsp. Barbiturate erhoehen die Gefahr einer Atemlaehmung! (eigen)


Bildquellen:

Abbildung 1: Zeichner: MEGAHAN John/The Technical Sketch; In: DE KORNE Jim: "Psychedelischer Neo-Schamanismus. Die Zucht, Zubereitung und der schamanistische Gebrauch psychoaktiver Pflanzen.", S. 100, Edition RauschKunde, Werner Pieperīs MedienXperimente, Loehrbach.

Abbildung 2: Zeichner: MEGAHAN John/The Technical Sketch; In: DE KORNE Jim: "Psychedelischer Neo-Schamanismus. Die Zucht, Zubereitung und der schamanistische Gebrauch psychoaktiver Pflanzen.", S. 100, Edition RauschKunde, Werner Pieperīs MedienXperimente, Loehrbach.

Abbildung 3: Zeichner: MEGAHAN John/The Technical Sketch; In: DE KORNE Jim: "Psychedelischer Neo-Schamanismus. Die Zucht, Zubereitung und der schamanistische Gebrauch psychoaktiver Pflanzen.", S. 100, Edition RauschKunde, Werner Pieperīs MedienXperimente, Loehrbach.


Bibliographie:

Das Quellenverzeichnis der Enzyklopaedie